In dem Päckchen von der Mutter war eine Speisekarte drinnen,

die ich mit etwas Kunst leserlich machen kann. Das war sehr schwer. Ich muss Ihnen vielleicht ein paar Worte dazu schreiben. Setzen Sie bitte die Sonnenbrille auf. Die Karte wird Sie blenden.

Sobald Sie ein Kreuzchen hinter dem Gericht sehen, ist es ausverkauft.

Die Gaststätte war übrigens eines der best besuchten Restaurants in Hohenstein-Er. am Sachsenring. Zum Rennen gab es dort Tanz. Die Gaststätte befindet sich direkt am Marktplatz der Stadt. Zu DDR-Zeiten hat dieses Restaurant täglich etwa tausend Essen verkauft. Unsere Gaststätten waren keine Leichenhallen wie im Westen und ziemlich gut besucht. Ein Rumpsteak kostete mit Beilage, sprich mit Salat und Kartoffeln, 3,50 M. Ein Arbeiter mit 1000.-M netto konnte sich nach der Mietzahlung (warm mit Energiekosten – max. 100.-M – Neubau), locker täglich ins Restaurant setzen und dort essen. Das Bier in dieser Preisstufe kostete 48 Pfennig pro Viertel Liter. Die Faßbrause, 20 Pfennig.

Nun wissen Sie vielleicht auch, warum wir uns ein gebrauchtes Auto-Trabant, locker für 10 Tausend leisten konnten. Beachten Sie, unsere Frauen haben gearbeitet. Nicht auf dem Strich. Nein. Sie hatten einen Arbeitsplatz, bei dem sie nicht unbedingt ohne Unterwäsche antanzen mussten. Im Kindergarten wurde lediglich 55 Pfennig pro Tag für die Beköstigung (Milch inklusive) bezahlt. Vergleichen Sie das mal mit heute. Dann wissen Sie vielleicht auch, wer Ihre Kinder wirklich liebt.

DDR Speisekarten

Natürlich hat mir Mutter noch andere Sachen neben den Kochbüchern ins Paket gelegt. Eine Speisekarte ist dabei, die Sie sogar auf Ebay finden. Die Karte ist heute teurer als unser Essen damals. Sie ist von dem Ferienheim. Die Preisklasse ist S. Das war das Teuerste in der DDR bis zur Umstellung, Anfang der siebziger Jahre bei der Einführung vom Delikatsortiment in Gaststätten. Wir reden von dem Haus/Hotel:

https://www.ddr-postkarten-museum.de/picture.php?/32037

Das Chateau und das Entrecote wurde am Tisch von Silber serviert und tranchiert. Sie können gern die Nutten von heute fragen, ob sie das überhaupt beherrschen. Es wurde sozusagen, als Tagliata serviert. Ich rede von einheimischem Rind, das wir in unseren Kühlhäusern oft noch etwas nachreifen ließen.

Unsere Gemeinde Partschins hat das natürlich als Rezept auch veröffentlicht:

Partschinser Küche

Es gibt sicher auch Metzger bei uns, die einheimisches Fleisch handeln.

Fleisch ~ und Fischgerichte

„Tagliata“ vom heimischen Rind mit Rucola, Parmesanhobel

und Kartoffeln sauté

€ 26,00

Das ist mal eine Portion für eine Person vom Motorrad – Hotel Peter in Petersberg/Deutschnofen der Familien Gallmetzer und Simmele:

https://www.hotel-peter.it/de/kulinarium/speisekarte