Begraben im Weiher

Toni fährt als Erstes in den Wanderhut zu Rainer. Er gewinnt den Eindruck, bereits erwartet zu werden. Beide, Rainer und Zuzia, erwarten ihn bereits.

„Wir haben dich kommen sehen. Der Kaffee ist schon bestellt“, sagt Zuzia. Ihre Stimme klingt fast wie die einer Liebeshotline. Wenn man sich hier nicht wohl fühlt, dann weiß ich nicht, denkt sich Toni.

„Ihr habt mir nichts von eurem Sohn erzählt.“

„Du hast nicht gefragt danach.“

„Geht er auch zu Doris tanzen?“

„Rainer ist nie hier. Er lebt in Wien. Er hat dort eine Wohnung.“

„Danke für die Auskunft.“

„Wie geht es Monika“, will Zuzia wissen.

„Sehr gut. Sie vermisst dich manches Mal.“

„Wirklich? Ich muss sie mal besuchen.“

„Monika ist bei mir auf der Hütte. Sie würde sich freuen, dich mal wieder zu sehen.“

„Sag ihr bitte, ich komme morgen.“

„Bring ihr etwas zu Essen mit. Sie hungert sehr.“

Beide lachen. Tonis Bemerkung klingt etwas zweideutig. Es ist eine Anspielung auf ihre Zeit in der Boxerhütte.

„Willst du heute etwas zu Essen mitnehmen?“

„Was gibt es denn heute als Personalessen?“

„Haxen.“

„Ich glaube, ich bin im Paradies. Wann sind die fertig?“

„In knapp zwei Stunden.“

„Dann hätte ich ja noch viel Zeit. Vielleicht gehe ich in die Wäscherei.“

„Dort sind nur zwei Mädchen. Die anderen sind noch auf den Zimmern.“

Toni geht in die Wäscherei. Er wird sie Frauen jetzt nach ihrem Verhältnis mit den Jungen der Hoteliers fragen.

Kaum ist er in der Wäscherei, wird er von einer fast unerträglichen Wärme überfallen. Wie in den anderen Hotels. Entsprechend dünn angezogen sind die Frauen. Bei dem Anblick wünscht er sich wieder, der Zulauf der Bügelmaschine zu sein. Vielleicht ist es gerade die gute Behandlung von Monika, die diese Wünsche erst aufkommen lassen.

Die Mädchen sind zu viert. Zwei können noch nicht in die Zimmer. Die Gäste haben es nicht eilig beim Verlassen des Zimmers.

„Waren die schon Frühstücken?“, fragt er die Frauen.

„Die waren die Ersten.“

„Wahrscheinlich essen sie auf dem Zimmer.“

„Ja. Dort sieht es immer aus, wie auf einer Müllhalde.“

„Kennt Ihr die Jungens aus dem Ort?“

„Ja, ein paar. Wir kommen hier kaum raus.“

„Geht ihr auch zu Doris tanzen?“

„Aber sicher; wenn wir können.“

„Wart ihr auch dort am Tag als Iva starb?“

„Ja. Wir waren alle dort.“

„An welche Personen könnt ihr Euch erinnern?“

Die Frauen zählen auf. Toni erfährt auch von ihren Chefs. Die waren beide da. Es gab wahrscheinlich Streit. Sie sind einzeln gegangen.

Toni dankt. Es ist noch etwas Zeit. Er möchte die Frauen auf eine Zigarette einladen. Sie rauchen alle. Er sieht es an den vielen Packungen, die in der Wäscherei liegen. Er neigt etwas dazu, einen Kaffee für alle zu bestellen. Er möchte Rainer gleich anrufen. Das Telefon funktioniert hier nicht. Keine Verbindung.

Die Frauen lachen.

„Nix spielen mit dem Telefon.“

Toni sieht das Haustelefon. Er ruft in der Rezeption an.