Begraben im Weiher

Die Nachricht bedeutet, Marco hat eine Spur. Er möchte Toni auf diese Spur setzen. Toni ermittelt aber gern in der Breite. Seine anderen Spuren sind keineswegs bedeutungslos.

Bei Monika angekommen, bestätigt sich Tonis Strategie. Alois hat die Inhaber der Spermaproben sicher heraus bekommen.

Toni übergibt Monika die Pornovideos. Der Großteil sind die Produktionsvideos. Auf denen sind reichlich Helfer und fast alle Mitarbeiter zu sehen. Während er duscht, hört er Monika mehrmals stöhnen.

„Hast du Schmerzen?“, ruft er aus der Duschecke.

„Jaah.“

„Soll ich den Arzt rufen?“

„Der ist schon hier.“

Toni erschreckt und rennt schnell ins Zimmer. Nackt und nass. Er hört ein hell summendes Geräusch.

„Du Ferkel“, ruft er zu Monika.

„Du kannst dir Zeit lassen beim Duschen. Der Doktor hat schon mehrmals geholfen.“

„Dann kann ich heute wenigstens in Ruhe essen.“

„Lass dir viel Zeit und guten Appetit.“

Monika hat Toni eine Riesenforelle gefüllt und gegrillt. Eigentlich ist das jetzt eine ungünstige Jahreszeit für den Verzehr von Süßwasserfischen. In Monaten mit R schmeckt der Fisch am besten. Toni riecht kurz.

„Gut gewürzt“, ruft er Monika zu.

„Jha“, antwortet sie.

„Iss endlich.“

„Hast du schon Etwas gefunden?“

„Iiisch suuche nhooch.“

Toni kommt mit dem Fisch aus seiner Duschecke. Monika lächelt matt Toni an.

„Nimm dir Zeit beim Essen.“

„Ich sehe. Die Doktoren haben geholfen. Drei Freunde auf einmal.“

„Heute kannst du ruhig schlafen.“

„Danke, ihr Doktoren.“

Am Morgen wirkt Monika frisch wie ein Neugeborenes. Sie ist wie aufgezogen.

Monika zählt die Namen der Spermaspender auf. Toni lacht.

„Der Eintänzer und auch der Fischer sind dabei.“

Ein Name macht Toni nachdenklich. Markus.

„Der Markus von der Schleuse hat sie auch gebumst.“

„Mich wundert das nicht.“

„Weißt du mehr?“

„Wahrscheinlich wollte er Ema heiraten. Die Familie redet darüber.“

„Ema? Gut. Aber er kann doch sicher Ema von Iva unterscheiden.“

„Das denke ich auch.“

„Hat Markus Freunde bei den anderen Gastronomen?“

„Ich höre nichts davon bei den Vernehmungen.“

„Ich schätze, dort ist ein Ansatzpunkt.“

„Du wirst wohl zuerst Markus etwas genauer befragen müssen.“

„Kannst du das?“

„Ich habe noch etwas zu tun. Vielleicht sind noch ein paar Anhaltspunkte in den Videos zu finden.“

„Ich sehe schon. Die Doktoren sind alle angesteckt.“

„Du wolltest doch schon immer mal etwas Urlaub.“

„Sind die Doktoren dir nicht etwa zu klein?“

„Das ist ja gerade das Schöne. Der große Doktor hat jetzt Urlaub.“

Beide lachen.

„Wie lange hat der Doktor denn Urlaub?“

„Bis der Strom ausgeht.“

Monika lacht.

„Die behandeln mich genau nach meinen Wünschen.“

Toni bereut jetzt etwas seinen Umgang mit Sibyla.

„Sibyla hat mir gestern ihr Nest gezeigt.“

„Und. Hast du Eier gesucht?“

Die Frau ist einfach nicht eifersüchtig zu bekommen. Die Doktoren scheinen Monika gut zu behandeln. Sie wirkt jetzt viel gelassener.

„Gibt es sonst noch Neuigkeiten?“

„Ja. Bei den Spermaspuren sind immer noch zwei Unbekannte.“

„Iva ist wohl vom ganzen Ort besprungen worden?“

„Das scheint so.“

„Die Familie von Ema und Iva war auch in Südtirol.“

„Die ganze Familie?“

„Nein. Nur die Männer.“

„Mein Gott. Das reicht nach viel Arbeit.“

„Lass dir Zeit. Ich bin gut versorgt.“

„Ich muss die Videos wieder zu Felix bringen.“

„Ich habe sie schon kopiert.“

„Die sind mit Kopierschutz. Das ist kriminell.“

„Für den privaten Gebrauch, nicht.“

„Dein Wort in Gottes Ohr.“

„Wir sind Ermittler.“

Toni nimmt die Filme auf den Dongels mit. Er fährt zuerst zu Felix. Den hat er schon angerufen. Er wartet.

Begraben im Weiher

„Wo sind die Frauen jetzt. Hier oder schon wieder zu Hause?“

„Einige sind hier. Ich gebe dir heute Abend ihre Adressen.“

„Die Hoteliers wollen aber kein Aufsehen.“

„Das kann ich gut verstehen.“

„Wann kommt das Filmteam wieder zu uns?“

„Du hast eine Hälfte von ihnen eingesperrt. Die anderen arbeiten nur am Schnitt und an der Filmqualität.“

„In Deutschland oder auch hier? Sind Einheimische dabei?“

„Die würde ich dir sicher nicht verraten. Es sein denn, die hätten mich beschissen. Das haben sie aber bis jetzt noch nicht.“

„Danke, meine liebe Sibyla. Wir sehen uns.“

„Du hast doch nicht etwa noch zehn Minuten Zeit?“

„Willst du mir eine Zigarette ausgeben?“

„Gerne.“

Sibyla bemüht sich, eine Stellung einzunehmen, mit der sie ihre Oberschenkel Innenseite zeigen kann. Toni beißt fast den Filter ab. Wunderschön. Und rasiert. Wenn das Monika sehen könnte. Toni hätte sofort den Saumogn (Aschenbecher) im Nacken. Toni hält stand. Des guten Kaffees wegen. Auch die Zigarette ist nicht zu verachten. Eine Kubanische.

Er fragt sich, woher Sibyla die kubanischen Zigaretten bezieht.

Das wunderschöne Stelldichein hat ein Ende. Toni muss jetzt wieder zur Tageskost. Monika hat schon drei Mal angerufen. Toni hat es leicht an der Vibration in der Hose gespürt. Er geht bis zum Motorrad, um mit ihr zu sprechen. Sibyla scheint trotzdem zu zuhören. Sie steht nackt am Fenster und winkt.

„Wir reden oben bei dir. Es gibt reichlich Neuigkeiten.“

„Bei mir auch. Du sollst Marco anrufen.“

Toni ruft Marco an.

„Henrich ist in Bozen bei uns. Wir haben ihn fest gesetzt und vernehmen ihn.“

„Sind seine Eltern auch da?“

„Nein. Aber Kamila, seine Schwester. Die sitzt auch bei uns.“

„Gibt es sonst noch Neuigkeiten?“

„Die habe ich alle zu Monika geschickt. Dafür brauchst du etwas Zeit. Es sind auch Erkenntnisse von Alois dabei. Du wirst staunen.“

Begraben im Weiher

Toni fährt los. Er muss heute wieder zu Sibyla. Monika hat ihm beim Abschied versprochen, sofort anzurufen bei neuen Erkenntnissen.

Zuerst möchte er bei Felix vorbei schauen. Felix muss doch Etwas wissen, denkt er sich. Felix empfängt Toni zwischen den Türen. Er muss auf Arbeit. Als er Toni trifft, ruft er auf seiner Stelle an, er käme heute etwas später. Die Zwei gehen in seine Wohnung. Die ist gut aufgeräumt.

„Hast du eine neue Frau?“

„Ema kommt manchmal vorbei zum Aufräumen.“

„Du hast also gewusst, Ema ist nicht das Opfer.“

„Nein. Erst viel später sagte mir Ema, Iva ist das Opfer.“

„So lange war ich nicht hier?“

„Scheint so.“

„Hast du etwas von der Nebentätigkeit der Zimmermädchen gewusst?“

„Ja.“

„Hast du auch Fotos oder gar Filme davon?“

„Aber sicher. Alle.“

„War da auch Ema und Iva dabei?“

„Das ist auch mit der Grund, warum Ema nicht mehr hier wohnt.“

„Warum hast du mir das verschwiegen?“

„Du hast nicht danach gefragt.“

„Kannst du mir die Filme leihen?“

„Zwei Filme lässt du aber bei mir.“

Die Zwei lachen.

„Du Ferkel“, sagt Toni.

„Wenn Ema kommt, kontrolliert sie, ob die Filme noch da sind. Sie möchte vermeiden, dass Andere sie sehen.“

„Ach so. Das kann ich zwar nicht verstehen. Ema ist doch wunderschön.“

„Zu schön für diese Branche.“

„Lief da etwas mit Minderjährigen?“

„Meines Wissens, nicht. Die Frauen waren alle aus dem Gastgewerbe. Kellnerinnen, Zimmermädchen, Rezeptionistinnen.“

„Das komplette Spektrum?“

„Sogar zwei Köchinnen sind dabei.“

„Was hat Ema so verdient damit?“

„Zu Viel nicht. Aber, es hat geholfen.“

„Damit ist Ema ja die Mitbesitzerin deiner Wohnung.“

„Das ist mal sicher. Ich schätze, sie hat den größten Teil bezahlt.“

„Du solltest dich wieder mit ihr versöhnen.“

„Das habe ich auch vor. Sie ist meine Frau.“

„So schnell kann Unsereins erwachsen werden. Beachte mal Folgendes. Ema hat einen Lohn nach Hause geschickt und euch den Großteil der Wohnung bezahlt.“

„So sehe ich das auch. Ich wusste aber nicht, wie Viel sie nach Hause geschickt hat. Langsam bekomme ich noch viel mehr Respekt für ihre Leistung.“

„Ich muss noch zu Sibyla nach Lana.“

„Sage Sibyla einen schönen Gruß von uns. Sibyla hat das organisiert.“

Also hat Sibyla das Organisatorische getan. Toni notiert sich das. Er dachte zuerst, Danka und Lenka wären die Organisatoren. Die sind praktisch, Werbekräfte von Sibyla. Das Futter reicht für den Besuch in Lana.

Kaum ist Toni im Garten von Sibyla, kommt sie schon gelaufen. Andreas ist schon wieder auf Arbeit. Trotzdem hat Sibyla, Herrenbesuch. Der stellt sich mit Klaus vor. Er klingt bayrisch.

„Das ist Klaus. Er ist Oberkellner bei Mario im Hotel Kurve.“

Toni stellt sich vor und möchte auch gleich wissen, was er hier will.

„Er kommt regelmäßig zur Abrechnung.“

„Das kann er doch überweisen.“

„Überwiesen wird bei uns selten Etwas“, antwortet Klaus.

Toni macht sich seine Gedanken dazu. Das interessiert ihn aber wenig. Marco hätte vielleicht mehr Interesse.

Klaus verschwindet und lässt die Zwei allein.

„Hast du natural abgerechnet?“

„Nein. Klaus hat mich nur überrascht beim Duschen.“

„Ich bin hier wegen der Pornos. Ich habe die in meiner Tasche. Wollen wir uns die gemeinsam anschauen?“

„Die habe ich selbst alle. Wenn uns Andreas erwischt, gibt er dir Hiebe.“

„Davor hätte ich keine Angst. Ich möchte nur wissen, wer die Frauen betreut hat.“

„Ich. Du hast das sicher schon von Anderen erfahren.“

„Arbeiten Danka und Lenka in deinem Auftrag?“

„Nicht nur die.“

„Langsam wird es Zeit, mal Etwas auszupacken.“

„Das glaube ich auch.“

Sibyla erzählt Toni von der Struktur ihres Unternehmens. Sie erhält Prämien. Und die sind nicht zu verachten. Dazu organisiert sie Privatpartien in Hotels und Swingerclubs. Die Hotels sind damit schon mal ihre Puffs. Eigentlich freut das Sibyla. Sie muss keine Räume anmieten. Sie hat keinen Streit mit Behörden. Nur organisatorische Aufgaben.

„Dann bis du ja Zuhälterin.“

„Zuhälter, bitte.“

„So schnell wird auf das weibliche Privileg verzichtet.“

Beide lachen.

„Ich habe Kaffee fertig.“

„Die Pornos dreht ihr in Deutschland?“

„Meist in den Hotels. Wenn du sie anschaust, wirst du einige Hotelzimmer wieder erkennen.“

„Werden die Filme gut gekauft?

„Eigentlich war das mal als Werbematerial geplant. Die Kunden sollten so auf die Modelle aufmerksam gemacht werden.“

„Wie organisiert ihr jetzt die Verteilung?“

„Die Gäste bekommen einen Rabattcode, den sie an der Rezeption vorweisen.“

„An der Nummer seht ihr dann, wer – was – wen will?“

„Genau.“

„Also müssen die Hoteliers davon wissen?“

„Nicht unbedingt. Die Rezeptionisten machen das.“

„Dann hast du ja ein schönes Netzwerk aufgebaut.“

„Ja und? Unsere Familien haben nach 1990 Alles verloren. Wir holen nur unser Eigentum zurück.“

„Deine Mittel sind allemal recht überzeugend.“

„Danke.“

Sibyla zieht gleich ihr Nigliche etwas zurück. Sie hat fast so schöne Schenkel wie Monika. Toni rollt mit den Augen.

„Wie viele Frauen vermittelst du?“

„Etwa zwanzig.“

„Kannst du mir die Namen geben. Ich brauche deren Aussagen.“

„Nicht gerne; aber ich gebe sie dir.“

„Kommen die Mädchen freiwillig zum Film oder braucht es etwas Druck?“

„Das wäre kriminell. Mode, Aussehen, Schmuck und Parfüm sind unsere stillen Partner. Unsere Frauen wollen schön aussehen. Sie werben um einen Mann im Westen.“

„Das ist ja fast wie in der Filmbranche.“

„Ja und? Stehen die Leute etwa vor den Gerichten?“

„Die Wenigsten.“

„Nur, wenn die Frauen auspacken. Dann wird es lustig.“

„Im Grunde kann man den Machern nichts vorwerfen. Die Frauen wollen es so.“

„Genau.“

Begraben im Weiher

„Die Stammgäste muss ich befragen.“

„Oh. Das hat auch für mich Folgen.“

„Ich bin nur ein privater Ermittler. Keine Sorge.“

„Also kommt Nichts in die Zeitung?“

„Das kann ich dir versprechen.“

„Dann werde ich mal die Rezeption benachrichtigen.“

„Ich muss aber noch etwas Anderes wissen. Auch Namen.“

„Und die lauten?“

„Emil, Ilona, Henrich, Kamila.“

„Das haben wir relativ schnell. Du kannst direkt warten. Willst du einen Kaffee?“

„Gerne.“

Toni möchte wissen, ob die Nachbarfamilie von Ema bei uns in Südtirol war. Sicher hätten die Frauen die Familie erkannt. Meist haben die Putzkräfte aber keinen Kontakt mit den Gästen. Und wenn, dann eher während der Hausreinigung oder bei sonstigen Kontakten. Das will Toni erfahren.

Marco hat inzwischen erfahren, als was die Nachbarn arbeiten. Sie sind Markthändler und produzieren kleine Souvenire.

Kaum hat Toni den Kaffee am Mund, kommt Paul wieder.

„Die waren bei uns. Vor Kurzem.“

„Danke.“

Paul gibt Toni den Ausdruck. Toni fotografiert ihn und schickt das Bild sofort zu Monika.

„Wie sieht es mit dem familiären Besuch Ihrer Beschäftigten aus?“

„Davon können wir sicher auch einen Ausdruck anfertigen.“

„Den kannst du bitte direkt zu Monika schicken. Ich bitte dich, den selbst anzufertigen.“

„Das mach ich dir gern. Unsere Familie möchte zu gern den Täter verhaftet wissen, der Iva auf dem Gewissen hat.“

Paul gibt Toni Rippelen mit. Fast vier Kilo.

„Hat sich mein Appetit schon herum gesprochen?“

„Das ist bereits Ortsgespräch.“

Beide lachen und verabschieden sich.

Toni muss jetzt noch in die Töll. Zur Schleuse.

Kaum betritt er das Restaurant, wird er von einer Rauchwolke empfangen. Am Tisch sitzen ein paar Männer, die Karten spielen. Hinter den Tresen steht Christoph, der Wirt. Er ist etwas angetrunken. Sein Sohn, Markus begrüßt Toni. Er kennt Toni gut. Er ist auch Motorradfahrer. Sie sind gelegentlich ein paar Runden zusammen gefahren.

„Was verschlägt dich zu uns?“

„Der Mord an Iva.“

„Die kannte ich gut. Mir tut das sehr Leid. Sie haben bei uns gelegentlich geputzt. Wie geht es Ema?“

„Die wird in der kommenden Zeit erst mal nicht zum Putzen kommen. Ihr werdet euch andere Kräfte suchen müssen.“

„Danke für den Hinweis.“

„Deine Mama und deine Schwester sind nicht da?“

„Du weißt doch, die arbeiten abends.“

„Alles klar. Waren nur Ema und Iva bei euch putzen oder auch deren Kolleginnen?“

„Nein. Nur die Zwei.“

Begraben im Weiher

Sie kommt mit dem Telefon in der Hand.

„Veronika ist dran.“

Marco nimmt ab.

„Es gab Streit wegen sexueller Belästigung. Ema hat das auf der Gewerkschaft als Notiz hinterlassen“, sagt Marco.

„Dann ist das wahrscheinlich auch der Grund für die Wechsel?“

„Ganz sicher.“

„Warum hat die Gewerkschaft nichts unternommen?“

„Das lässt sich schlecht beweisen.“

„Wir müssen mit dem Arzt sprechen, der Ema behandelt hat.“

Veronika sagt Marco den Name des Arztes. Sie rufen gleich an dort.

Beim Arzt angekommen, erfahren die Zwei, weswegen Ema bei ihm war. Sie hat sich selbst in dem Arm geschnitten.

„Der Schnitt ist ihr etwas zu tief geraten.“

„Hat sie gesagt, warum sie unbedingt wechseln möchte?“

„Viel musste sie mir nicht sagen. Sie hatte sehr viele Schlagspuren und Hämatome.“

„Hast du davon Fotos. Sind die den Carabinieri gemeldet worden?“

„Ich habe Fotos. Den Carabinieri habe ich nichts gemeldet. Ema wollte das nicht.“

„Hat sie Aussagen zu den Tätern gemacht?“

„Ich glaube, Andeutungen mit bekommen zu haben. Sie sprach zuerst von der Arbeit, Stößen an Gegenständen und Möbeln, sowie von Stürzen.“

„Auch von Gästen?“

„Von Stammgästen.“

„Wir kommen sicher noch mehrmals zu dir. Alle Fragen sind uns noch nicht geläufig. Die ergeben sich erst mit dem Stand der Ermittlungen.“

„Gerne.“

„Wir wüssten gern, wo Ema und ihr Mann wohnen. Ema hat doch eine Bürgerkarte. Nur, die Adresse stimmt nicht.“

„Ich würde einfach zu der Wohnanschrift der Karte fahren und dort fragen.“

„Wir müssen noch ihrem Mann, Bescheid geben. Der weiß es sicher noch nicht.“

Die Zwei fahren zu der Anschrift des Paares. Auf der Klingel steht der Name. Sie läuten. Die Sprechanlage knarrt sie an. Ein Mann ist an der Gegenseite.

Die Zwei stellen sich vor und bitten um Einlass. Schon springt die Tür auf. Sie hören in der zweiten Etage die Wohnungstür. Ein Mann ruft sie zu sich herauf.

„Felix“, stellt er sich vor.

„Worum geht es?“

„Wir müssen ihnen etwas Schreckliches mitteilen. Ihre Frau wurde tot aufgefunden.“

Felix treten sofort die Tränen in die Augen. Er kann es kaum fassen. Sie gehen zusammen in die Wohnung. Die ist sparsam eingerichtet.

„Wir leben eigentlich nicht mehr zusammen. Ema hat immer in den Hotels übernachtet, in denen sie gearbeitet hat.“

„In welchem Hotel hat sie denn übernachtet?“

„Im Hotel Auge in Rabland.“

„Danke. Wir melden uns bei dir für weiteren Fragen.“

„Klären sie das bitte auf. Ema hat das nicht verdient.“

„Warum sind sie auseinander gegangen?“

„Das liegt an mir. Ich bin eifersüchtig. Ich wollte, Ema solle den Beruf an den Nagel hängen.“

„Warum?“

„Sie hat mir immer von Belästigungen erzählt. Trotzdem hat sie sehr gutes Geld verdient. Das haben wir für unsere Wohnung dringend gebraucht.“

„Kam sie immer regelmäßig zur gleichen Zeit nach Hause?“

„Eben nicht. Das war auch der Grund des Zerwürfnisses.“

„Warum hast du sie nicht auf Arbeit abgeholt?“

„Das frage ich mich auch jetzt im Nachhinein.“