Leseprobe Joana 1 – ein etwas anderer Liebesroman

Joanas Sortiment ist atemberaubend. Kleine, Große, Doppelte, Schnelle und Langsame. Alle sind weich. Die Nachbildungen meines Teiles, benachteiligen mich, wenn ich jetzt die Griffigkeit vergleiche. Der Mensch baut ein Produkt besser als er selbst ist. Wenn das in Zukunft, Roboter können, Gute Nacht. Dann treffen sich Paare höchstens noch zum Kaffee trinken. Wer weiß.

Das Abendbrot essen wir zusammen. An der Küchentür klopft es. Zwei Hotelgäste fragen in gebrochenem Deutsch, ob wir etwas zu Essen haben. ‚Die Zwei kenne ich doch‘, denk ich mir.

„Wir kommen von Ihrer Mutter. Sie sagt, Sie könnten das, was wir essen, besser kochen als sie.“

„Und was essen Sie gern?“

„Filetsteak. Dick, nicht geklopft und innen, rot.“

„Das habe ich da. Wir waren die Tage einkaufen. Es ist frisch und gut gelagert.“

„Zwei Stück mit frischen Champignons.“

Hui. Ein Großauftrag. „Wie groß sollen die sein?“

„Dreihundert Gramm ein Steak.“

„Kommen Sie rein. Was wollen Sie trinken?“

„Ein Bier von hier. Groß bitte. Die Champignons bitte nicht schneiden.“

Ich koche ihnen das und serviere das Gewünschte. Natürlich kann ich zwei Gäste nicht allein bei uns sitzen lassen. Gleichzeitig bin ich auch deren Unterhalter. Als Gastgeber bin ich ihnen das schuldig. Karin und Joana gehen schon wieder zusammen. Steffen bleibt noch etwas. Er hat Hunger, als er die Riesensteaks sieht.

„Soll ich Dir eins mitmachen?“

„Aber sicher, mein Freund.“

Wir unterhalten uns mit unseren Gästen. Sie sind Belgier, die bei uns irgend Etwas mit Lastkraftwagen bauen. Ich kapiere das nicht bei ihrer ersten Erklärung. Steffen ist etwas weiter. Er denkt, die Zwei konstruieren die Aufbauten für LKW.

„Das Essen war gut. Wir bleiben bei Ihnen. Wir sind jetzt müde und gehen zu Bett. Unsere Fahrt dauerte sechzehn Stunden bis hier her.“

„Gute Nacht.“

„Wir bezahlen mit dem Zimmer. Rechnen Sie bitte großzügig.“

Steffen räumt mit mir zusammen auf. Sein Steak will er in der Küche essen. Das geht nicht. Wir setzen uns in mein Büro. Das ist ein Teil der Küche.

„Wenn das gut geht, seid ihr Zwei schön raus.“

„Ich glaube, wir haben hier zu viel Feinde.“

„Das sehe ich auch so. Neben meinem Zimmer schlafen zwei Finanzbeamte von Drüben.“

„Mir haben das schon Freunde gesagt, dass die bei Neugründungen prüfen. Ich rechne täglich damit. Zumindest nach den ersten Belegen.“

„Keine Angst. Die warten noch einen Monat. Die wollen erst sehen, wie das läuft bei Dir.“

„Das denke ich mir auch so. Was macht Ihr morgen?“

„Karin wollte mal durch die Stadt gehen. Wir kommen zeitig wieder.“

„In Karl-Marx-Stadt bauen sie ein neues Gewerbezentrum. Ihr könnt dort mal schauen, was es da so gibt.“

„Vielleicht gibt es auch ein paar Sexshops. Die beliefere ich auch.“

„Also, bist Du auch schon Großhändler?“

„Aber sicher.“

„Steffen. Wir gehen hoch ins Bett.“

Wir schließen Alles ab und gehen in die Etage.

Bei Karin im Zimmer stöhnt es schon wieder.

„Nimmersatt bei der Arbeit“, scherzt Steffen.

„Aber Joana hat das recht gut getan. Wir hatten wenig Gelegenheit in letzter Zeit. Und überall waren Bauarbeiter.“

„Rolf war gar nicht zum Essen mit Julia“, sagt Steffen.

„Die wollten heute auch mal auswärts gehen. Vielleicht sucht Rolf gleich noch Anschlussaufträge.“

Wir kratzen etwas an der Zimmertür von Karin. Die alten Türen haben wir nur abgebeizt. Sie sehen schön aus so. Karin stöhnt schon wieder. Joana hat uns herein gelassen. Sie lacht.

„Ich habe mich revanchiert.“

Karin liegt auf dem Bett. Joana streichelt sie. Karin zuckt und kichert. Steffen schaut ganz zufrieden.

„Joana kann das besser als ich.“

„Wo willst du denn heute schlafen“, frage ich Joana.

„Bei Dir natürlich. Morgen ist Frühstück zu machen und ich will Andrea noch etwas anlernen.“

„Gute Nacht Ihr Zwei.“

Wir gehen in unser Zimmer. Joana duscht sich noch etwas. „Ich habe überall Gleitgel. Willst du mal probieren, wie das schmeckt?“

„Hast Du etwa das Riesending probiert?“

„Karin hat gesagt, das ist nicht gut. Das gibt kleine Risse und Entzündungen.“

„Ja. Aber der Frauenarzt kommt doch auch rein.“

„Unsere Frauenärztin hat so kleine Hände. Das kannst Du mit diesem Riesending nicht vergleichen. Die Ärztin hat das auch irgendwie drauf.“

„Und der Doppelte?“

„Den hab ich jetzt Karin gesetzt. Sie hat gesagt, das ist der beste. Das denke ich auch.“

„Bei Frauen kommst Du schneller als bei mir. Soll ich Dich in Zukunft Chef rufen, Joana?“

„Wir bekommen das schon wieder hin bei Dir. Um den kleinen Chef muss ich mich nur etwas öfter kümmern.“

Ich wasche Joana. Und schau, der kleine Chef wird größer. Joana nimmt ihn in die Hand, wie als wöllte sie ihn wiegen. „Braver Junge.“ Sie gibt ihm einen Kuss.

Joana zuckt auch als ich sie wasche. „Wie oft warst Du heute glücklich?“

„Ich zähle schon nicht mehr mit. Sicher zehn Mal. Karin hat ein Händchen dafür. Sie beobachtet mich genau.“

„Das hat sie früher an der Trasse auch schon getan. Sie hat immer kontrolliert, ob das gut tut, was sie macht.“

„Sie ist schon eine gute Freundin und Steffen sehr treu, hat sie mir gesagt. Außer bei mir. Irgend Etwas regt sie bei mir an.“

„Du. Weil Du so schön bist wie sie.“

„Heute hat sie mir gebeichtet, mit Dir hätte es ihr auch gefallen. Sie liebt an Dir das Ehrliche. Fast so, wie ich.“

Wir gehen zu Bett. Joana schlägt ihr linkes Bein über mich und nimmt den kleinen Chef in die Hand. Ich lege meine Hand an ihre Muschi. Mein Gott. Die hat immer noch fünfundvierzig Grad. Ich glaube fast, wir sind so eingeschlafen. Wie im Märchen.

Der Betrieb läuft

Die sehr schöne Eröffnungswoche geht vorbei. Steffen und Karin sind oft unterwegs. Sie gehen auf Rundfahrten und erzählen uns von ihren Erlebnissen. Die Vergleiche zur DDR fallen oft positiv aus. Das Negative überwiegt. Besonders loben sie unsere wirklich schönen FKK- Anlagen an den erzgebirgischen Badeseen. Und die sind voll belegt. Steffen zeigt uns Fotos von sehr schönen Frauen. Sie waren in Rabenstein. Erst auf der Burg, dann in den Felsendomen und zum Schluss, am Stausee.

„Brauchst Du schon Vorlagen?“, frage ich ihn.

„Meine beste Vorlage ist Karin.“

„Da hast Du ganz sicher Recht.“

Joana lacht laut. Andrea ist noch da. Sie hat das Frühstück geschafft. Die Reste räume ich weg. Andrea geht auf die Zimmer. Karin läuft ihr hinterher.

„Das nächste Opfer“, lästert Steffen.

„Sie ist sonst gar nicht so. Du hast sie mir umgedreht“, sagt er zu Joana.

„Ich?“

„Weil Du zu schön bist!“

„Danke!“

Unsere Hausgäste sind alle schon weg. Sie kommen im Laufe des Tages wieder. Dann haben wir auch unser Restaurant geöffnet.

Mischa kommt wieder. Er will mir etwas helfen.

Rolf und Julia bauen oben in unserer Dusche. Dann geht er teilweise noch bestimmte Leitungen abdrücken und kontrollieren.

„Alles bestens. Wir sind fertig.“

„Wunderbar.“

Er gibt mir die Rechnung. Mit der Heizanlage, möchte er über zweihundert Tausend. Den Materialkauf haben wir schon vorfinanziert. Es gab zwischendurch Ärger, weil die Bank einen Lieferanten nicht zahlte. Rolf und Julia sind mit uns auf die Bank gefahren. Er hat getobt dort. Zwei Tage später war das Geld da. Wir stellten uns gerade vor, Rolf wäre ein DDR Handwerker. Julia schüttelt den Kopf. Sie kann die Gebaren nicht verstehen.

„Die fühlen sich hier auf wie der letzte Abschaum. Zu Hause würden die sich das nicht getrauen.“

Die Zwei schämen sich aufrichtig für ihre Landsleute aus dem Westen.

Joanas Mutter ruft an. „Es ist was Schlimmes passiert!“

„Was?“

„Nicht am Telefon. Kommt mal her. Allein!“

Wir entschuldigen uns bei Steffen und Mischa. Sie sollen derweil mal auf unser Haus aufpassen. Sie versprechen das.

Wir gehen das Haus hoch an Karins Zimmer vorbei und suchen Andrea. Irgend Jemand keucht ziemlich laut in Karins Zimmer. Andrea ist nirgends zu sehen.

„Das ist Andrea“, sagt Joana zu mir. Wir kratzen an der Tür. Andrea liegt breit auf dem Bett. Karin hat geöffnet. „Ich konnte nicht widerstehen“, sagt sie zu Joana. „Sie hat das Zimmer gemacht und mir ihren Hintern gezeigt. Und das ist ein Hintern!“

„Andrea!“, rufe ich fast. „Du musst mal auf das Haus aufpassen. Wir sind bei Joanas Mutter. Es ist Etwas passiert.“

Andrea kichert. Sie ist fast wie ich. Redselig, etwas naiv wirkend und aufgeschlossen. Ein perfekter Gastronom. Sie nimmt das Leben wie es kommt und weiß immer eine Antwort.

Begraben im Weiher

Toni verabschiedet sich von Sibyla.

„Besuch mich mal wieder“, sagt sie zu ihm.

„Gerne. Ich bringe mal Monika mit. Du hast einen schönen Garten.“

„Nicht nur das.“

Toni wird nicht mehr rot. Er kennt inzwischen alle doppelsinnigen Anspielungen.

Er muss jetzt zu Danka. Vorher ruft er Paul an. Seine Rezeptionistin geht ans Telefon.

„Paul ist nicht da im Moment.“

„Ist Danka im Haus?“

„Da muss ich auf der Etage und in der Wäscherei anrufen.“

„Mach bitte kein Trara. Ich muss sie nur etwas fragen. Entweder in eurem Extrazimmer oder an der Rezeption.“

„Ist gut. Ich lasse sie kommen. Wann sind sie hier?“

„In zehn Minuten.“

Oh. Toni hätte eine größere Zeitspanne sagen sollen. Zehn Minuten sind etwas knapp. Obwohl er gerade auf die MEBO auffährt.

Toni kommt pünktlich an. Danka steht noch nicht an der Rezeption.

„Danka ist auf ihrem Zimmer. Sie muss heute Abend abdecken.“

Toni weiß bereits wo ihr Zimmer ist. Er geht hin. Er muss nicht mal anklopfen. Danka steht bereits in der offenen Tür. Wahrscheinlich hat die Rezeptionistin schon angerufen. Sie ist auch Slowakin.

„Ich habe jetzt Zimmerstunde.“

„Das ist aber zeitig.“

„Ich muss heute Abend noch abdecken und die Sauna putzen.“

„Darf ich rein kommen?“

„Ja. Meine Kollegin ist auch da.“

Die Kollegin ist recht dünn angezogen. Sie stellt sich mit Lenka vor. Lenka ist nicht so schön wie ihre Kolleginnen. Eher etwas maskulin mit ziemlich kurzem Haar und einer, eher sportlichen Figur. Toni muss in sich lachen. Die Zwei schlafen im Doppelbett.

„Ich habe eigentlich nur ein paar Fragen. Die brauche ich der Vollständigkeit halber.“

„Und die Fragen wären?“, sagt Danka. Danka spricht sehr gut Deutsch.

„Geht ihr mit euren Kolleginnen in die Laterne zum Tanz?“

„Ja.“

Die Antwort ist Toni etwas zu knapp.

„Geht ihr immer alle und zusammen?“

„Wenn ein Mädchen abdecken muss, geht sie nicht mit.“

„Das Abdecken dauert wohl ziemlich lange?“

„In manchen Zimmern zu lange.“

Toni versteht den Wink nur zu gut. Er fragt nicht tiefer nach. Außer in einem Fall.

„Wie sieht das mit einem deutschen Hotelier aus?“

„Bei dem dauert es immer besonders lange. Er möchte uns in seinem Betrieb haben.“

„Alle?“

„Ja.“

„Und wie sieht es damit aus?“

Toni klopft mit einer flachen Hand auf die andere, die er zur Faust zusammenrollt.

„Ja. Genau deswegen.“

„Er zahlt wohl gut?“

„Seine Frau rechnet mit uns ab.“

„Er hat eine Frau?“

„Ja. Sie ist auch da.“

Toni möchte das nicht weiter erfragen. Ihn interessiert das nur nebenbei. Er befürchtet sonst, den Faden zu verlieren.

„War’t ihr letzten Dienstag in der Laterne?“

„Ich nicht. Aber Lenka war mit.“

„Lenka. Wie Viele war’t ihr?“

„Wir waren zu viert.“

„Wie lange war’t ihr zusammen?“

„Eigentlich bis zum Schluss. Wir treffen uns immer für den gemeinsamen Heimweg.“

„Iva, Ema, Sibyla und du?“

„Nein. Danka hat uns abgeholt.“

„Also war’t ihr zu Fünft?“

„Nein. Iva hat sich von uns verabschiedet und ist zurück gegangen.“

„Hat auf sie Jemand gewartet?“

„Sicher. Sie hat gesagt, sie hat eine Verabredung.“

„Mit wem, hat sie euch nicht gesagt?“

„Nein. Sie sprach nur von einem Riesending.“

Toni fragt das nicht weiter. Er kann sich vorstellen, was die Frauen meinen. Er muss Monika auf die Mädchen ansetzen. Vielleicht erfährt Moni mehr. Langsam erklären sich auch die vielen Spermaspuren bei Iva. Er schüttelt mit dem Kopf. Schlammreiter.

Er erfährt viel Nebensächlichkeiten von den Frauen. Vielleicht ist dieser oder jener Anhaltspunkt dabei. Er hat alles aufgenommen. Heimlich. Den Mädchen hat er das nicht gesagt. Er wollte, das sie hemmungslos auspacken.

„Gute Nacht“, sagt Toni beim Abschied von den Zweien.

„Komm ruhig mal wieder“, antwortet Danka. Sie zeigt dabei etwas Oberschenkel.

Toni möchte Paul noch etwas fragen. An der Rezeption bekommt er gesagt, Paul sei unterwegs.

Eigentlich möchte Toni jetzt noch die anderen Hotels besuchen. Die Zeit wäre günstig. Wir nähern uns der Zimmerstunde und Mittagspause.

„Was gibt es denn heute bei euch zum Mittag?“

„Hähnchenschenkel, so viel ich weiß“, ist die Antwort der Rezeptionistin.

Vielleicht gibt es im Wanderhut etwas Besseres. Mal sehen.

Toni fährt zum Wanderhut. Rainer, der Chef, erwartet ihn schon. Toni hatte sich telefonisch angemeldet.