Begraben im Weiher

Marco befragt inzwischen die Männer der Familien. Toni hat sich derweil entschlossen, Monika anzurufen. Monika sagt ihm am Telefon die Namen der Frauen, die aktuell in Südtirol sind. Toni vergleicht das mit der Liste von Felix. Jetzt kann er die Frauen besuchen und ausfragen.

Toni besucht die Frauen in ihren Hotels. Er muss nach Naturns, Partschins, Rabland und Meran. Selbst in Plaus ist eine Frau der Liste zu finden.

Er fängt in Meran an. Das Hotel ist im Musikerviertel. Toni nennt das so, weil alle Straßen dieses Viertels, mit Namen bekannter Musiker benannt sind.

An der Rezeption wird Toni unfreundlich empfangen. Von der Chefin selbst. Er fragt nach dem Namen des Zimmermädchens. Die Chefin will sich einfach nicht an den Namen erinnern. Toni überlegt, wie er sein erstes Ziel reibungslos erledigen kann. Er ruft Marco an. Sobald Marco am Telefon ist, sagt er ihm, die Chefin würde sich weigern, Auskunft zu erteilen.

„Geb mir mal die Furie“, sagt Marco ins Telefon. Er kennt sie. Viele Saisonkräfte haben sich bei den Kollegen in Meran über diese Dame beschwert.

Toni drückt ihr das Telefon in die Hand. Mit einem Mal wird die Furie scheißfreundlich. Toni glaubt, der zu dick aufgetragene Lippenstift verschmiert ihre Ohren. So feixt sie ins Telefon. Marco kann das nicht sehen. Sicher ahnt er, was die Gestalt am Telefon abzieht.

Nach dem Gespräch ruft sie ihre Gouvernante. Die scheint ihr zu sagen, wo sich das Zimmermädchen aufhält. In der Wäscherei. Toni hat es fast geahnt.

„Sie soll bitte mal zu mir kommen. Wir benötigen einen ruhigen Raum.“

Die Chefin ruft in die Wäscherei. Das Zimmermädchen kommt. Die Chefin geht vor und öffnet ruppig die Tür zu einem Stübchen. An der Wand aus Zirbenholz hängt eine ganze Garnitur Geweihe in allen Größen.

„Haben sie die geschossen?“, fragt Toni die Chefin.

Die Chefin scheint zu ahnen, worauf Toni hinaus will. Marco hatte es bereits angedeutet am Telefon. Die Chefin geht sehr oft ganztags einkaufen, ohne Etwas mit zu bringen. Etwas schon, denkt sich Toni. Gefüllte Unterwäsche. Das hat zumindest Marco angedeutet, als er sagte, die Dame sei ziemlich läufig.

Toni schließt die Tür hinter sich. Es dauert keine zehn Sekunden und die Chefin öffnet die Tür.

„Soll es ein Kaffee sein?“

Wie scheint, hat Marco ihr am Telefon gesagt, was Toni benötigt. Mit einem Mal bemerkt Toni die typisch aufgesetzte falsche Freundlichkeit.

„Trauen Sie ihr nicht“, sagt Lena, das Zimmermädchen. Sie stellt sich gleich mit vor.

„Arbeiten sie hier schon lange?“

„Nur stundenweise. Ich arbeite auch in anderen Hotels.“

„In welchen?“

Lena zählt alle Hotels auf, die Toni auf seiner Liste hat.

Alle Namen auf Tonis Liste werden von Lena erwähnt.

„Lena. Gehörst du zu den Frauen, die auch Pornos gedreht haben?“

„Ich habe nur freizügige Fotos gemacht.“

„Also, Modell.“

„Genau.“

„Und wie sieht es mit dem Zimmerservice aus?“

„Auch.“

Lena antwortet sehr kurz. Toni merkt das.

„Bringt das Etwas?“

„Ja. Sex.“

„Und wie sieht es mit Geld aus?“

„Muss ich das beantworten?“

„Das erfährt außer mir, Keiner.“

„Zwischen Hundert und Dreihundert.“

„Hat das Jemand vermittelt?“

„Sibyla.“

„Danke.“

„Kann ich noch etwas sitzen bleiben?“

„Ja. Wir können auch noch Etwas ausreden.“

„Gerne.“

„Wo habt ihr die Fotos geschossen?“

„Auf dem Zimmer hier im Hotel.“

„Waren die Gäste einer von denen?“

Toni zählt die gesamten Namen der Einreiter auf.

„Ja. Alle.“

„Gefilmt wurdest du aber nicht?“

„Naja. So etwas Selbstbefriedigung mit Gestöhne.“

„Was hast du zu Hause gelernt?“

„Lehrer.“

„Hier verdienst du mehr?“

„Sicher. Ich arbeite für meine Familie.“

Die Zeit ist um. Tonis Kaffee ist alle. Lena hatte nichts zu Trinken bekommen. Sie hat aber in ihrer Schürze ein kleines Fläschchen mit Wasser. Daran nuckelt sie zwischendurch. Die Luft in diesem Raum ist ziemlich trocken.

Die Zwei verabschieden sich.

„Wenn ich noch Fragen habe, komme ich noch mal vorbei.“

„Ja bitte.“