Begraben im Weiher

Beim Korrekturlesen haben sich noch ein paar Probleme ergeben. Damit verzögert sich die Veröffentlichung leicht. Ich habe Ihnen, meinen Lesern, mal den Anfang kopiert.

Der Fund

Schorsch, ein Lastwagenfahrer aus Partschins, fährt mit seiner Ape früh zum Maschinenparkplatz der Firma Gossenbau aus Partschins. Den mobilen Maschinenpark hat die Firma gleich zwischen dem örtlichen Freizeitplatz und dem Weiher eingerichtet.

Schorsch muss jetzt nicht mehr die örtlichen Kleingärtner mit seinem Feinstaub beglücken.

Er arbeitet beim Gossenbau, weil er alle Maschinen der Baufirma bedienen und fahren kann. Schorsch ist ein Spezialist. Schorsch ist mitverantwortlich für die Feinstaubbelastung auf unseren Salaten, Balkonen und in unseren Wohnzimmern. Er ist eifrig und hat es immer eilig. Mit seinem Kipper sorgt Schorsch auch für ausreichend Arbeitsmöglichkeiten in unseren Haushalten. Was würden unsere Frauen tun ohne Schorsch? Dank Schorsch, haben sie die Möglichkeit, jeden zweiten Tag ihren Balkon und ihre Wohnung zu entstauben. Schorsch arbeitet nicht nur eifrig. Er schafft auch Arbeitsplätze. Frei nach dem Sprichwort:

Hauptsache wir sind gesund und unsere Weiber haben eine Arbeit.

Der Bagger springt widerwillig an. Schorsch wirkt noch etwas verzaubert. Das letzte Bier gestern, muss überflüssig gewesen sein. Er nimmt sich für heute vor, ein Bier weniger zu trinken.

Der Bagger läuft und es kann los gehen. Bis in den Weiher sind es ein paar Meter. Den Weg dahin hat Schorsch schon fein präpariert.

Der Weiher muss neu aufgebaut werden. Den Boden des Weihers hat Schorsch schon abgetragen. Eine neue Schicht wird aufgelegt. Eine falsche Pflanze hat sich dort nieder gelassen und vermehrt. Keine einheimische. Ein Aquarianer und Zierfischliebhaber hat in den Weiher oder dessen Zufluss, seine Lieblinge samt ihrem Möbel entsorgt. Offensichtlich war es mit der Liebe vorbei als er die neue Stromabrechnung bekam.

Die Landschaftsgestaltung kommt dem Ort eigentlich gelegen. Partschins hatte vor einigen Jahren den Besuch einer bösen Mure. Und die führte genau das massenhaft ins Tal, was für den Weiherbau benötigt wird. Vielleicht hat die Mure auch das Aquarium erwischt. Wir wissen es nicht. Immerhin sind der Mure reichlich Häuser, Hasen- und Ziegenställe zum Opfer gefallen. Unsere Hühner und Gänse konnten, Gott sei

Dank, flüchten. Unsere Frauen waren nicht in Gefahr. Die örtlichen Cafés wurden zum Glück nicht beschädigt.

Auf dem Weg in den Weiher sieht Schorsch eine Handtasche liegen. Er dachte, vielleicht ist Etwas drinnen. Er hält an und durchsucht den Inhalt. Vom Tampon bis zu etwas Geld, ist Alles drin. Auch eine Bürgerkarte. Ema, steht unter Namen. Ema kommt aus der Slowakei. Dem Bild nach, ist sie schön.

Begraben im Weiher

Kaum offenbart er Felix seine Feststellungen und Monikas Funde, fängt Felix an zu lachen.

„Was hast du gedacht?“

„Ich dachte, ihr habt eventuell die Mädchen gezwungen.“

„Das ist völlig irre. Die Frauen kamen zu uns mit der Idee. Sibyla hat das nur umgesetzt.“

„Alles klar. Ich gehe jetzt auch nicht unbedingt davon aus, ihr hättet eine der Frauen vergewaltigt.“

„Das wäre erstens nicht notwendig. Und, zweitens, nicht in unserem Interesse.“

„Entschuldige bitte, Felix.“

„Angenommen. Haben dir die Filme gefallen?“

„Monika schaut diese Filme. Sie sucht die Frauen. Auch das Team.“

„Die Namen kann ich dir samt Adresse ausdrucken.“

„Ich möchte die Frauen nur befragen. Ich brauche Anhaltspunkte. Ihr seid in meinen Augen, unschuldig.“

„Wir helfen dir gern.“

„Das habe ich bei Sibyla gemerkt?“

„Hat sie dir Fleisch gezeigt?“

„Die ist ja heißer als Grillglut.“

„Wir alle möchten, dass du den Täter findest.“

„Monika hat Kopien genommen von deinen Videos.“

„Hilft es?“

„Ich werde überflüssig.“

„Das ist sicher nur vorübergehend.“

„Mir hält das aber den Rücken frei.“

„Hier hast du die Adressen der Frauen. Sie wohnen alle, bis auf zwei, in den Hotels.“

„Ich gehe davon aus, die Hotels in unserer Nähe kommen in Frage. Zumindest vorerst.“

„Ich auch.“

„Mario war aber Gast in allen Hotels?“

„Er überbringt auch die Gage.“

„Also, überbringen mehrere Personen die Gage an die Frauen?“

„Das ganze Team. Wegen der Bargeldgrenzen.“

„Gut organisiert.“

„Sibyla hat das so eingerichtet.“

„Sibyla wird mir immer sympathischer.“

„Ja. Sie passt zu Südtirol.“

„Mich freut, den Verdacht bei Seite legen zu können.“

„Uns freut das ganz besonders.“

„Für mich steht die Frage, wer jetzt in Frage kommt.“

„Hast du die Freier schon überprüft?“

„Ich bin dabei. Alois hat die Spermaproben ausgewertet.“

„Na das ist der absolute Clou. Ist das so leicht möglich?“

„Naja. Die Pandemie hat ihm geholfen.“

„Ich muss jetzt lachen. Das, was wir früher nicht wussten, wissen wir jetzt.“

„Ich weiß nicht, ob das unbedingt ein Vorteil ist.“

„Das ist sicher keiner. Unwissen schafft auch Frieden.“

„Ich glaube auch, es wird ziemlich unruhig werden bei uns.“

„Gibt es vielleicht Verdächtige in dieser Richtung?“

„Naja. Iva wurde mit sehr viel Kraft erwürgt. Frauen sind da wohl fast ausgeschlossen.“

„Doch nicht etwa unsere Frauen?“

„Ich verstehe. Du meinst, sie haben die Kraft.“

„Da bin ich mir sicher.“

„Du machst es mir nicht leichter.“

Beide lachen.

„Ich muss los.“

„Viel Glück. Schau auch mal bei den Familien nach.“

Toni kann sich Felix als guten Spitzel vorstellen. Der hat die nötigen Verbindungen. Marco kann er das nicht erzählen. Der würde versuchen, Felix sofort ein zu spannen.

Jedenfalls ist der Tipp von Felix eine neue Spur. Mit der Liste in der Hand, besucht Toni jetzt die Frauen in den Hotels. Eine neue Runde steht ihm bevor.

Zunächst möchte Toni die Familien befragen. Zumindest jene Mitglieder, die bei uns in Südtirol waren. Die Familien und ihre Beziehung untereinander, könnten ein Motiv sein. Marco hat das bereits angedeutet.

Die Familien sitzen nicht mehr im Haft. Sie müssen sich lediglich täglich melden. Deren Anwälte haben das durch gesetzt. Sie befinden sich alle in Bozen im gleichen Hotel. Hotel Aria. Toni freut sich darüber. Vielleicht verstehen sie sich danach etwas besser.

Begraben im Weiher

Die Nachricht bedeutet, Marco hat eine Spur. Er möchte Toni auf diese Spur setzen. Toni ermittelt aber gern in der Breite. Seine anderen Spuren sind keineswegs bedeutungslos.

Bei Monika angekommen, bestätigt sich Tonis Strategie. Alois hat die Inhaber der Spermaproben sicher heraus bekommen.

Toni übergibt Monika die Pornovideos. Der Großteil sind die Produktionsvideos. Auf denen sind reichlich Helfer und fast alle Mitarbeiter zu sehen. Während er duscht, hört er Monika mehrmals stöhnen.

„Hast du Schmerzen?“, ruft er aus der Duschecke.

„Jaah.“

„Soll ich den Arzt rufen?“

„Der ist schon hier.“

Toni erschreckt und rennt schnell ins Zimmer. Nackt und nass. Er hört ein hell summendes Geräusch.

„Du Ferkel“, ruft er zu Monika.

„Du kannst dir Zeit lassen beim Duschen. Der Doktor hat schon mehrmals geholfen.“

„Dann kann ich heute wenigstens in Ruhe essen.“

„Lass dir viel Zeit und guten Appetit.“

Monika hat Toni eine Riesenforelle gefüllt und gegrillt. Eigentlich ist das jetzt eine ungünstige Jahreszeit für den Verzehr von Süßwasserfischen. In Monaten mit R schmeckt der Fisch am besten. Toni riecht kurz.

„Gut gewürzt“, ruft er Monika zu.

„Jha“, antwortet sie.

„Iss endlich.“

„Hast du schon Etwas gefunden?“

„Iiisch suuche nhooch.“

Toni kommt mit dem Fisch aus seiner Duschecke. Monika lächelt matt Toni an.

„Nimm dir Zeit beim Essen.“

„Ich sehe. Die Doktoren haben geholfen. Drei Freunde auf einmal.“

„Heute kannst du ruhig schlafen.“

„Danke, ihr Doktoren.“

Am Morgen wirkt Monika frisch wie ein Neugeborenes. Sie ist wie aufgezogen.

Monika zählt die Namen der Spermaspender auf. Toni lacht.

„Der Eintänzer und auch der Fischer sind dabei.“

Ein Name macht Toni nachdenklich. Markus.

„Der Markus von der Schleuse hat sie auch gebumst.“

„Mich wundert das nicht.“

„Weißt du mehr?“

„Wahrscheinlich wollte er Ema heiraten. Die Familie redet darüber.“

„Ema? Gut. Aber er kann doch sicher Ema von Iva unterscheiden.“

„Das denke ich auch.“

„Hat Markus Freunde bei den anderen Gastronomen?“

„Ich höre nichts davon bei den Vernehmungen.“

„Ich schätze, dort ist ein Ansatzpunkt.“

„Du wirst wohl zuerst Markus etwas genauer befragen müssen.“

„Kannst du das?“

„Ich habe noch etwas zu tun. Vielleicht sind noch ein paar Anhaltspunkte in den Videos zu finden.“

„Ich sehe schon. Die Doktoren sind alle angesteckt.“

„Du wolltest doch schon immer mal etwas Urlaub.“

„Sind die Doktoren dir nicht etwa zu klein?“

„Das ist ja gerade das Schöne. Der große Doktor hat jetzt Urlaub.“

Beide lachen.

„Wie lange hat der Doktor denn Urlaub?“

„Bis der Strom ausgeht.“

Monika lacht.

„Die behandeln mich genau nach meinen Wünschen.“

Toni bereut jetzt etwas seinen Umgang mit Sibyla.

„Sibyla hat mir gestern ihr Nest gezeigt.“

„Und. Hast du Eier gesucht?“

Die Frau ist einfach nicht eifersüchtig zu bekommen. Die Doktoren scheinen Monika gut zu behandeln. Sie wirkt jetzt viel gelassener.

„Gibt es sonst noch Neuigkeiten?“

„Ja. Bei den Spermaspuren sind immer noch zwei Unbekannte.“

„Iva ist wohl vom ganzen Ort besprungen worden?“

„Das scheint so.“

„Die Familie von Ema und Iva war auch in Südtirol.“

„Die ganze Familie?“

„Nein. Nur die Männer.“

„Mein Gott. Das reicht nach viel Arbeit.“

„Lass dir Zeit. Ich bin gut versorgt.“

„Ich muss die Videos wieder zu Felix bringen.“

„Ich habe sie schon kopiert.“

„Die sind mit Kopierschutz. Das ist kriminell.“

„Für den privaten Gebrauch, nicht.“

„Dein Wort in Gottes Ohr.“

„Wir sind Ermittler.“

Toni nimmt die Filme auf den Dongels mit. Er fährt zuerst zu Felix. Den hat er schon angerufen. Er wartet.

Begraben im Weiher

„Wo sind die Frauen jetzt. Hier oder schon wieder zu Hause?“

„Einige sind hier. Ich gebe dir heute Abend ihre Adressen.“

„Die Hoteliers wollen aber kein Aufsehen.“

„Das kann ich gut verstehen.“

„Wann kommt das Filmteam wieder zu uns?“

„Du hast eine Hälfte von ihnen eingesperrt. Die anderen arbeiten nur am Schnitt und an der Filmqualität.“

„In Deutschland oder auch hier? Sind Einheimische dabei?“

„Die würde ich dir sicher nicht verraten. Es sein denn, die hätten mich beschissen. Das haben sie aber bis jetzt noch nicht.“

„Danke, meine liebe Sibyla. Wir sehen uns.“

„Du hast doch nicht etwa noch zehn Minuten Zeit?“

„Willst du mir eine Zigarette ausgeben?“

„Gerne.“

Sibyla bemüht sich, eine Stellung einzunehmen, mit der sie ihre Oberschenkel Innenseite zeigen kann. Toni beißt fast den Filter ab. Wunderschön. Und rasiert. Wenn das Monika sehen könnte. Toni hätte sofort den Saumogn (Aschenbecher) im Nacken. Toni hält stand. Des guten Kaffees wegen. Auch die Zigarette ist nicht zu verachten. Eine Kubanische.

Er fragt sich, woher Sibyla die kubanischen Zigaretten bezieht.

Das wunderschöne Stelldichein hat ein Ende. Toni muss jetzt wieder zur Tageskost. Monika hat schon drei Mal angerufen. Toni hat es leicht an der Vibration in der Hose gespürt. Er geht bis zum Motorrad, um mit ihr zu sprechen. Sibyla scheint trotzdem zu zuhören. Sie steht nackt am Fenster und winkt.

„Wir reden oben bei dir. Es gibt reichlich Neuigkeiten.“

„Bei mir auch. Du sollst Marco anrufen.“

Toni ruft Marco an.

„Henrich ist in Bozen bei uns. Wir haben ihn fest gesetzt und vernehmen ihn.“

„Sind seine Eltern auch da?“

„Nein. Aber Kamila, seine Schwester. Die sitzt auch bei uns.“

„Gibt es sonst noch Neuigkeiten?“

„Die habe ich alle zu Monika geschickt. Dafür brauchst du etwas Zeit. Es sind auch Erkenntnisse von Alois dabei. Du wirst staunen.“