Begraben im Weiher

Der neue Verdacht

Am Morgen nimmt sich Toni vor, zuerst bei Markus vorbei zu schauen. Danach möchte er wieder die Hoteliers besuchen. Er fragt sich, ob er nach diesem Besuch noch mit freier Kost beglückt wird. Zweifel schleichen sich ein.

Markus empfängt ihn sehr freundlich. Sein Kaffee ist gratis. Christoph und Helene sind nicht da. Ein paar Stammkunden aus dem Ort sitzen bei ihm. Sie watteln in einer kleinen Runde. Sie sind ziemlich laut dabei. Toni kommt das gelegen. Er möchte sich Zuhörer ersparen. Seine Ermittlungen werden sonst zu schnell zum Ortsgespräch.

Markus führt Toni in die Küche. In der Küche befindet sich die übliche Sitzgarnitur. Nach Kaffee fragt er Toni nicht erst. Er bringt gleich eine große Tasse mit.

„Markus. Ich möchte eigentlich nur wissen, ob du Iva heiraten wolltest.“

„Um Gottes Willen. Nie!“

„Wolltest du mit ihr das Restaurant betreiben?“

„Ich wollte sie gern als Angestellte.“

„Hat sie dir das zugesagt?“

„Wir waren uns einig. Sie hätte das zu gern bei uns getan.“

„Hatte sie denn Erfahrung als Bedienung?“

„Das hat sie mir gesagt.“

„Hat sie auch gesagt, wo sie schon als Bedienung gearbeitet hat?“

„Sie hat in den Hotels mit abgetragen.“

„Du meinst, zusätzlich zu ihrer Arbeit als Zimmermädchen?“

„Ja. Die Zimmermädchen müssen abends, abwechselnd, beim Servieren des Menüs mit helfen.“

„Hat sie darüber mit dir gesprochen?“

„Beim Abtragen bekam sie die meisten Angebote.“

„Gab es Konkurrenten wegen der Anstellung bei dir?“

„Schon. Ihr Fleiß und ihr Wesen hat sich herum gesprochen.“

„Hast du ihr mehr geboten?“

„Nein. Sie wollte nicht in den angeblich feinen Betrieben dienen. Sie wollte unter Menschen sein.“

„Hast du mit ihr bei Doris getanzt?“

„Das weißt du schon?“

„Ja.“

„Sicher vom Eintänzer.“

„Ja.“

„Wir haben uns regelmäßig bei Doris getroffen. Auch die anderen Jungs.“

„Gab es Sex?“

„Hin und wieder. Sie wollten aber Geld. Wir wollten aber nicht bezahlen.“

„Habt ihr den mit allen Frauen gehabt?“

„Sicher. Ich weiß es nicht genau.“

„Habt ihr in der Gruppe nicht darüber gesprochen?“

„Selten. Die Frauen waren uns zu teuer. Hin und wieder gab es einen Tipp für eine Gratisnummer. Die haben wir eben mit genommen.“

Die Zwei unterhalten sich noch knapp zwei Stunden. Toni bekommt langsam Druck. Er möchte in die Hotels.

„Sag mir mal die Namen deiner Freunde.“

Markus zählt auf. Toni notiert sich die Namen.

Zuerst fährt Toni natürlich ins Hotel Auge. Er möchte auch gleich Danka und Lenka treffen. Kaum ist er da, wird er wie immer von Paul begrüßt. Paul hat die Lederhosen an.

„Heute ist wohl Heimatabend?“

„Wir haben heute Bauernbuffet“, antwortet Paul.

Auf die Frage nach Danka und Lenka, antwortet Paul etwas zurück haltend.

„Alle Mädchen sind Oben.“

Mit Oben meint Paul sicher das Zimmer von Danka.

Toni klopft am Zimmer. Es dauert etwas, bis eine Antwort kommt und sich die Tür öffnet. Die Frauen machen sich gerade zurecht. Im Zimmer riecht es wie auf einem orientalischen Basar. Das Bett liegt voller Unterwäsche.

„Habt ihr die neuen Uniformen anprobiert?“

Die Frauen lachen. Zurecht gemacht, sind sie alle sehr schön.

Herzliches Beileid den Hinterbliebenen

Wir nehmen heute Abschied von Milena. Eine liebevolle, stille, dienende, freundliche Kollegin ist von uns gegangen.

Nachruf

Milena hat als Rezeptionistin gearbeitet. Sie war also nicht nur von ihrem Chef, ihren Kolleginnen und ihrem direkten Umfeld enttäuscht. Sie verabschiedet sich auch freiwillig von den Gästen, die sie in ihrem Beruf direkt betreute. Ich möchte jetzt nicht spekulieren, wer die meisten Ursachen für diesem Schritt lieferte. In unserer Branche sind es leider zu viele Kollegen, die im Dienste des „Kunden“ aufgeben, weiter zu machen. In erster Linie, wird dafür eine Sechs-Tage-Woche verantwortlich sein. Die Beschäftigten bekommen einfach zu wenig Zeit, positive und negative Erlebnisse entsprechend zu verarbeiten. Die heute übliche Unverfrorenheit unserer Gäste, um nicht grenzenlose Frechheit zu sagen, sehe ich persönlich als Hauptursache. Das habe auch in meinen Büchern thematisiert. Ein Arbeiter kann deswegen nicht seinen Betrieb aufgeben. Er hat nur sein Leben und seine Arbeitskraft zur Verfügung.

Weihnachtsmenü der sparsamen Küche

Natürlich dürfen auch arme Leute Weihnachten feiern. Ein nicht unerheblicher Teil unserer Mitbürger feiern Weihnachten in der Essensausgabe der Armenküche. Ich weiß, man bezeichnet das heute etwas humaner. Wir sollen den Eindruck bekommen, dabei handelt es sich um ein Restaurant.

Und jetzt ein kleiner Vergleich zum Erzgebirge. Wie Sie wissen, lebten dort unter den Bedingungen, die Sie aktuell haben, Bergleute, Industriearbeiter und Weber. Zu Weihnachten hat man dort entweder eine grüne Bratwurst mit Salzkartoffeln und Sauerkraut oder einen gebratenen Hering (auch gewässerten Salzhering) mit Salzkartoffeln verzehrt. Es durfte etwas Butter oder Leinöl mit serviert werden. Und wenn Sie besonderes Glück hatten, lag unter dem Gabentisch der Einberufungsbefehl für irgendeinen Krieg.

Die Zubereitung dieses Menüs werde ich Ihnen die Tage nachreichen. Das Menü ist dafür gedacht, sich derweil im Angebot, die Rohstoffe zu versorgen. Ich habe zum Beispiel, Porcini für keine 7.-€ entdeckt. Das heißt, einzelne Bestandteile des Menüs, können Sie ohne Probleme mit Produkten aus den Angeboten ersetzen.

Ich verspreche Ihnen, Sie werden pro Person, keine 5.-€ Kosten überschreiten.

Weihnachtsmenü der sparsamen Küche

Tatar vom Fisch

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Schaumsuppe von Apfel und Karotten

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Salsica – Risotto

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Ein Schlückchen Kirschlikör vom Grappa

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Karfiol überbacken

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Ente gegrillt zu Champignons und Sandkartoffeln

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Ein cremiges Schoko – Nougatmousse

In dem Päckchen von der Mutter war eine Speisekarte drinnen,

die ich mit etwas Kunst leserlich machen kann. Das war sehr schwer. Ich muss Ihnen vielleicht ein paar Worte dazu schreiben. Setzen Sie bitte die Sonnenbrille auf. Die Karte wird Sie blenden.

Sobald Sie ein Kreuzchen hinter dem Gericht sehen, ist es ausverkauft.

Die Gaststätte war übrigens eines der best besuchten Restaurants in Hohenstein-Er. am Sachsenring. Zum Rennen gab es dort Tanz. Die Gaststätte befindet sich direkt am Marktplatz der Stadt. Zu DDR-Zeiten hat dieses Restaurant täglich etwa tausend Essen verkauft. Unsere Gaststätten waren keine Leichenhallen wie im Westen und ziemlich gut besucht. Ein Rumpsteak kostete mit Beilage, sprich mit Salat und Kartoffeln, 3,50 M. Ein Arbeiter mit 1000.-M netto konnte sich nach der Mietzahlung (warm mit Energiekosten – max. 100.-M – Neubau), locker täglich ins Restaurant setzen und dort essen. Das Bier in dieser Preisstufe kostete 48 Pfennig pro Viertel Liter. Die Faßbrause, 20 Pfennig.

Nun wissen Sie vielleicht auch, warum wir uns ein gebrauchtes Auto-Trabant, locker für 10 Tausend leisten konnten. Beachten Sie, unsere Frauen haben gearbeitet. Nicht auf dem Strich. Nein. Sie hatten einen Arbeitsplatz, bei dem sie nicht unbedingt ohne Unterwäsche antanzen mussten. Im Kindergarten wurde lediglich 55 Pfennig pro Tag für die Beköstigung (Milch inklusive) bezahlt. Vergleichen Sie das mal mit heute. Dann wissen Sie vielleicht auch, wer Ihre Kinder wirklich liebt.

Begraben im Weiher

Herbert kommt nicht mit dem Auto. Er fährt Ape. Ein Dreirad.

Nach dem Essen fängt Herbert an zu beichten. Iva wollte von ihm kein Geld. Weil er so schön mit ihr tanzt. Dabei lernte Iva eben viele Männer kennen, die bezahlen. Das war meine Prämie.

„Iva hat mich immer mit Naturalien bezahlt. Und die waren doch nicht von schlechten Eltern.“

Toni kann das bestätigen mit dem, was er gesehen hat. Sie war ein außerordentlich schönes Mädchen.

„Wir wurden immer beobachtet bei unseren Treffen.“

Toni wundert sich nicht. Er wird auch immer beobachtet bei Spaziergängen. Er hat sogar das Gefühl, beim Pinkeln beobachtet zu werden.

„Iva ist mit Markus von der Schleuse draußen gewesen. Auch mit den Söhnen der anderen Hotelfamilien.“

Toni hat nie nach den Kindern der Hoteliers gefragt. Er schlägt sich an den Kopf. Wieso hat er das nicht zur Sprache gebracht?

„Hast du irgendwelchen Streit bemerkt?“

„Nie. Bei Markus war sie ziemlich oft und lange am Tisch. Sie ging trotzdem, zwischendurch, mit anderen Männern raus an die Luft. Meist nach dem Tanz.“

Toni nimmt sich vor, Markus noch einmal intensiver zu befragen. Markus muss das gewusst haben. Er glaubt nicht, Markus hätte sie heiraten wollen. Nicht mit den Kenntnissen. Bei jüngeren Leuten, setzt er noch eine gewisse Eifersucht voraus.

„Ich vermute als Täter keinen der jungen Leute oder der Tanzpartner. Wir haben alle gewusst, wie Iva und Ema sind. Wir kennen auch die anderen Frauen. Auch Sibyla.“

„Kennst du auch Danka und Lenka?“

„Natürlich.“

„Ähnlich intensiv wie Iva?“

„Aber sicher.“

„Bei dir macht das ja Nichts. Du hast keine Frau mehr.“

„Mein Frau hat mich verlassen. Mit meinem Haus.“

„Sie hat doch sicher auch Etwas bezahlt?“

„Mit was?“

„Naja. Sie hat dir das Haus geputzt und die Wäsche gewaschen.“

„Das macht meine Mutter. Bei der wohne ich jetzt wieder.“

„Wo arbeitet deine ehemalige Frau?“

„Sie arbeitet nicht. Sie hat einen neuen Mann. Der fährt Getränke aus.“

Toni will das nicht weiter erkunden. Das ist ein anderes Thema. Wahrscheinlich will sich Herbert nur mal die Seele frei reden.

Monika hört recht aufmerksam zu bei dem Gespräch.

„Wann bist du denn nach Hause gegangen?“

„Ich gehe immer recht zeitig. Weil ich morgens fahren muss. So, gegen halb Elf.“

„War da Iva gerade beim Tanzen oder im Betrieb?“

„Sie hat mich verabschiedet.“

„Die anderen Frauen auch?“

„Ja. Alle. Sie lieben mich irgendwie.“

„Wie viele Frauen waren denn da?“

„So, an die zehn Kolleginnen von Iva.“

„Hast du sonst noch Gastronomen gesehen?“

„Zwei Hoteliers waren da. Patrick und Rainer. Christoph von der Schleuse auch.“

Toni geht ein Licht auf. Er muss die morgen befragen.

„Mit wem ist denn Rainer verheiratet?“, fragt Toni.

Toni ist nicht auf dem Laufenden bei den Beziehungen.

„Mit der schönen Zuzia. Das ist doch seine ehemalige tutto fare“, antwortet Herbert.

„Das klingt polnisch“, sagt Monika.

„Ja. Die hat er gleich im ersten Jahr geheiratet. Seine erste Frau ist ja mit einem Schweizer Gast durch gebrannt.“

Herbert scheint eine feine Nachrichtenzentrale zu sein. Fast wie die Mutter Monikas. Toni wird sich Herbert öfter zum Grillen einladen müssen.

„Hast du wieder eine Frau gefunden?“

„Schön wär’s. Ich suche noch.“

„Doch nicht etwa bei den Zimmermädchen?“

„Naja. Die Ema oder eine ihrer Kolleginnen wäre mir schon recht.“

„Du bist also nicht eifersüchtig?“

„Die Muschi ist doch kein Stück Seife. Die nutzt sich nicht ab.“

Die Drei lachen. Monika kann kaum Luft holen. Sie hat sich gleich verschluckt. Herbert tut ihr irgendwie leid.

Allein mit Mama. Herberts Mama ist auch allein. Der Papa ist mit einer Italienerin durch gebrannt.

„Kümmert sich denn die Mama gut um dich?“, fragt sie. Herbert schaut etwas verlegen nach Unten. Monika fragt nicht weiter. Sie hat die Geste verstanden. Sie schätzt, das ist auch der Grund, warum Herbert keine neue Frau hat.

Der Abend geht noch ziemlich lange. Herbert ist eine wahre Schatzgrube, was Nachrichten angeht. Er kommt sehr viel herum und kennt fast alle Leute. Wie ein Briefträger.

Nachdem Herbert gegangen ist, fragt Toni seine Monika, ob sie den Kolibri kennt.

„Nein. Ich habe noch keinen gesehen bei uns hier.“

„Kohlemann, Lichtmann und Briefträger. Die hast du sicher schon gesehen.“

„Ja doch. Die sind fast so fruchtbar wie unsere Pfarrer.“

„Ist das Wasser warm?“

„Noch nicht. Aber wir können noch ein paar Filmchen anschauen bis es warm ist. Vielleicht lernst du noch Etwas dazu?“

„Du hast wohl schon gelernt?“

„Nein. Aber begriffen.“

Toni rennt schnell das Wasser anstecken.

Leseprobe Joana 1 – ein etwas anderer Liebesroman

Joanas Sortiment ist atemberaubend. Kleine, Große, Doppelte, Schnelle und Langsame. Alle sind weich. Die Nachbildungen meines Teiles, benachteiligen mich, wenn ich jetzt die Griffigkeit vergleiche. Der Mensch baut ein Produkt besser als er selbst ist. Wenn das in Zukunft, Roboter können, Gute Nacht. Dann treffen sich Paare höchstens noch zum Kaffee trinken. Wer weiß.

Das Abendbrot essen wir zusammen. An der Küchentür klopft es. Zwei Hotelgäste fragen in gebrochenem Deutsch, ob wir etwas zu Essen haben. ‚Die Zwei kenne ich doch‘, denk ich mir.

„Wir kommen von Ihrer Mutter. Sie sagt, Sie könnten das, was wir essen, besser kochen als sie.“

„Und was essen Sie gern?“

„Filetsteak. Dick, nicht geklopft und innen, rot.“

„Das habe ich da. Wir waren die Tage einkaufen. Es ist frisch und gut gelagert.“

„Zwei Stück mit frischen Champignons.“

Hui. Ein Großauftrag. „Wie groß sollen die sein?“

„Dreihundert Gramm ein Steak.“

„Kommen Sie rein. Was wollen Sie trinken?“

„Ein Bier von hier. Groß bitte. Die Champignons bitte nicht schneiden.“

Ich koche ihnen das und serviere das Gewünschte. Natürlich kann ich zwei Gäste nicht allein bei uns sitzen lassen. Gleichzeitig bin ich auch deren Unterhalter. Als Gastgeber bin ich ihnen das schuldig. Karin und Joana gehen schon wieder zusammen. Steffen bleibt noch etwas. Er hat Hunger, als er die Riesensteaks sieht.

„Soll ich Dir eins mitmachen?“

„Aber sicher, mein Freund.“

Wir unterhalten uns mit unseren Gästen. Sie sind Belgier, die bei uns irgend Etwas mit Lastkraftwagen bauen. Ich kapiere das nicht bei ihrer ersten Erklärung. Steffen ist etwas weiter. Er denkt, die Zwei konstruieren die Aufbauten für LKW.

„Das Essen war gut. Wir bleiben bei Ihnen. Wir sind jetzt müde und gehen zu Bett. Unsere Fahrt dauerte sechzehn Stunden bis hier her.“

„Gute Nacht.“

„Wir bezahlen mit dem Zimmer. Rechnen Sie bitte großzügig.“

Steffen räumt mit mir zusammen auf. Sein Steak will er in der Küche essen. Das geht nicht. Wir setzen uns in mein Büro. Das ist ein Teil der Küche.

„Wenn das gut geht, seid ihr Zwei schön raus.“

„Ich glaube, wir haben hier zu viel Feinde.“

„Das sehe ich auch so. Neben meinem Zimmer schlafen zwei Finanzbeamte von Drüben.“

„Mir haben das schon Freunde gesagt, dass die bei Neugründungen prüfen. Ich rechne täglich damit. Zumindest nach den ersten Belegen.“

„Keine Angst. Die warten noch einen Monat. Die wollen erst sehen, wie das läuft bei Dir.“

„Das denke ich mir auch so. Was macht Ihr morgen?“

„Karin wollte mal durch die Stadt gehen. Wir kommen zeitig wieder.“

„In Karl-Marx-Stadt bauen sie ein neues Gewerbezentrum. Ihr könnt dort mal schauen, was es da so gibt.“

„Vielleicht gibt es auch ein paar Sexshops. Die beliefere ich auch.“

„Also, bist Du auch schon Großhändler?“

„Aber sicher.“

„Steffen. Wir gehen hoch ins Bett.“

Wir schließen Alles ab und gehen in die Etage.

Bei Karin im Zimmer stöhnt es schon wieder.

„Nimmersatt bei der Arbeit“, scherzt Steffen.

„Aber Joana hat das recht gut getan. Wir hatten wenig Gelegenheit in letzter Zeit. Und überall waren Bauarbeiter.“

„Rolf war gar nicht zum Essen mit Julia“, sagt Steffen.

„Die wollten heute auch mal auswärts gehen. Vielleicht sucht Rolf gleich noch Anschlussaufträge.“

Wir kratzen etwas an der Zimmertür von Karin. Die alten Türen haben wir nur abgebeizt. Sie sehen schön aus so. Karin stöhnt schon wieder. Joana hat uns herein gelassen. Sie lacht.

„Ich habe mich revanchiert.“

Karin liegt auf dem Bett. Joana streichelt sie. Karin zuckt und kichert. Steffen schaut ganz zufrieden.

„Joana kann das besser als ich.“

„Wo willst du denn heute schlafen“, frage ich Joana.

„Bei Dir natürlich. Morgen ist Frühstück zu machen und ich will Andrea noch etwas anlernen.“

„Gute Nacht Ihr Zwei.“

Wir gehen in unser Zimmer. Joana duscht sich noch etwas. „Ich habe überall Gleitgel. Willst du mal probieren, wie das schmeckt?“

„Hast Du etwa das Riesending probiert?“

„Karin hat gesagt, das ist nicht gut. Das gibt kleine Risse und Entzündungen.“

„Ja. Aber der Frauenarzt kommt doch auch rein.“

„Unsere Frauenärztin hat so kleine Hände. Das kannst Du mit diesem Riesending nicht vergleichen. Die Ärztin hat das auch irgendwie drauf.“

„Und der Doppelte?“

„Den hab ich jetzt Karin gesetzt. Sie hat gesagt, das ist der beste. Das denke ich auch.“

„Bei Frauen kommst Du schneller als bei mir. Soll ich Dich in Zukunft Chef rufen, Joana?“

„Wir bekommen das schon wieder hin bei Dir. Um den kleinen Chef muss ich mich nur etwas öfter kümmern.“

Ich wasche Joana. Und schau, der kleine Chef wird größer. Joana nimmt ihn in die Hand, wie als wöllte sie ihn wiegen. „Braver Junge.“ Sie gibt ihm einen Kuss.

Joana zuckt auch als ich sie wasche. „Wie oft warst Du heute glücklich?“

„Ich zähle schon nicht mehr mit. Sicher zehn Mal. Karin hat ein Händchen dafür. Sie beobachtet mich genau.“

„Das hat sie früher an der Trasse auch schon getan. Sie hat immer kontrolliert, ob das gut tut, was sie macht.“

„Sie ist schon eine gute Freundin und Steffen sehr treu, hat sie mir gesagt. Außer bei mir. Irgend Etwas regt sie bei mir an.“

„Du. Weil Du so schön bist wie sie.“

„Heute hat sie mir gebeichtet, mit Dir hätte es ihr auch gefallen. Sie liebt an Dir das Ehrliche. Fast so, wie ich.“

Wir gehen zu Bett. Joana schlägt ihr linkes Bein über mich und nimmt den kleinen Chef in die Hand. Ich lege meine Hand an ihre Muschi. Mein Gott. Die hat immer noch fünfundvierzig Grad. Ich glaube fast, wir sind so eingeschlafen. Wie im Märchen.

Der Betrieb läuft

Die sehr schöne Eröffnungswoche geht vorbei. Steffen und Karin sind oft unterwegs. Sie gehen auf Rundfahrten und erzählen uns von ihren Erlebnissen. Die Vergleiche zur DDR fallen oft positiv aus. Das Negative überwiegt. Besonders loben sie unsere wirklich schönen FKK- Anlagen an den erzgebirgischen Badeseen. Und die sind voll belegt. Steffen zeigt uns Fotos von sehr schönen Frauen. Sie waren in Rabenstein. Erst auf der Burg, dann in den Felsendomen und zum Schluss, am Stausee.

„Brauchst Du schon Vorlagen?“, frage ich ihn.

„Meine beste Vorlage ist Karin.“

„Da hast Du ganz sicher Recht.“

Joana lacht laut. Andrea ist noch da. Sie hat das Frühstück geschafft. Die Reste räume ich weg. Andrea geht auf die Zimmer. Karin läuft ihr hinterher.

„Das nächste Opfer“, lästert Steffen.

„Sie ist sonst gar nicht so. Du hast sie mir umgedreht“, sagt er zu Joana.

„Ich?“

„Weil Du zu schön bist!“

„Danke!“

Unsere Hausgäste sind alle schon weg. Sie kommen im Laufe des Tages wieder. Dann haben wir auch unser Restaurant geöffnet.

Mischa kommt wieder. Er will mir etwas helfen.

Rolf und Julia bauen oben in unserer Dusche. Dann geht er teilweise noch bestimmte Leitungen abdrücken und kontrollieren.

„Alles bestens. Wir sind fertig.“

„Wunderbar.“

Er gibt mir die Rechnung. Mit der Heizanlage, möchte er über zweihundert Tausend. Den Materialkauf haben wir schon vorfinanziert. Es gab zwischendurch Ärger, weil die Bank einen Lieferanten nicht zahlte. Rolf und Julia sind mit uns auf die Bank gefahren. Er hat getobt dort. Zwei Tage später war das Geld da. Wir stellten uns gerade vor, Rolf wäre ein DDR Handwerker. Julia schüttelt den Kopf. Sie kann die Gebaren nicht verstehen.

„Die fühlen sich hier auf wie der letzte Abschaum. Zu Hause würden die sich das nicht getrauen.“

Die Zwei schämen sich aufrichtig für ihre Landsleute aus dem Westen.

Joanas Mutter ruft an. „Es ist was Schlimmes passiert!“

„Was?“

„Nicht am Telefon. Kommt mal her. Allein!“

Wir entschuldigen uns bei Steffen und Mischa. Sie sollen derweil mal auf unser Haus aufpassen. Sie versprechen das.

Wir gehen das Haus hoch an Karins Zimmer vorbei und suchen Andrea. Irgend Jemand keucht ziemlich laut in Karins Zimmer. Andrea ist nirgends zu sehen.

„Das ist Andrea“, sagt Joana zu mir. Wir kratzen an der Tür. Andrea liegt breit auf dem Bett. Karin hat geöffnet. „Ich konnte nicht widerstehen“, sagt sie zu Joana. „Sie hat das Zimmer gemacht und mir ihren Hintern gezeigt. Und das ist ein Hintern!“

„Andrea!“, rufe ich fast. „Du musst mal auf das Haus aufpassen. Wir sind bei Joanas Mutter. Es ist Etwas passiert.“

Andrea kichert. Sie ist fast wie ich. Redselig, etwas naiv wirkend und aufgeschlossen. Ein perfekter Gastronom. Sie nimmt das Leben wie es kommt und weiß immer eine Antwort.

Leseprobe Der Saisonkoch – Wintersaison Dritter Monat

Die Hühnerbrustschnitzel schneide ich etwas kleiner und verarbeite sie als Fried Chicken. Die Chefin guckt erst etwas überrascht, ist aber nach einer Probe begeistert. Hoffentlich will sie jetzt keinen Sex. Köche sind heiß begehrt als Haussklaven. Sie sind selten zu Hause und wenn, dann müssen sie kochen. Für den Sex sind sie ja nicht da. Das machen dann Andere.

Das Mittag läuft gut. Ich bekomme zwei Besuche in der Küche, die mir ein Bier ausgeben wollen. Zu Mittag. Warum nicht zum Frühstück? Andere Länder, gleiche Sitten. „Bist Du der Ersatzmann?“ Jetzt kommt es raus. Also doch. Naja. Wenn es gut bezahlt wird, warum nicht. Gunda, den Namen der Chefin erfahre ich gleich mit, verschwindet erst mal kurz.

Die Gäste sind draußen, das Mittag beendet und Gunda bestätigt mir das. Am Montag kommt Fausto, der Koch wieder. Man hätte sich gestritten. Das ist eigentlich schon wieder gelogen. Vielleicht sind nur ein paar freie Tage offen oder Fausto hatte einen Familienanlass. Dem Ansuchen von Angestellten, kommen Südtiroler Unternehmer nur schwer entgegen. Man muss sozusagen, jedes Mal mit einer Kündigung drohen.

„Wenn ich einen Ersatz brauche, habe ich zu viel bürokratischen Kram zu erledigen.“

„Sie sind aber Bestandteil und Förderer dieser Bürokratie“, sag ich zu Ihr.

„Wieso? Das ist ein Witz!“

„Wenn ein Gastarbeiter aus Osteuropa zu Hause einen Trauerfall hat und drei Tage frei haben möchte, verlangen Sie von ihm die amtlich beglaubigte Sterbeurkunde. Damit sind Sie Bestandteil und Förderer der Bürokratie.“

„Oh ja. Sie haben wahrscheinlich Recht. Aber wir bekommen die Fehltage nicht bezahlt.“

„Sind Sie der Unternehmer oder das Amt? Wenn Sie frei machen, bekommen Sie das auch nicht bezahlt. Oder doch?“

Für mich sind das Alles, Schutzbehauptungen. Grobe Unwissenheit will ich mal Keinem unterstellen. Und übertriebene Ehrlichkeit schon gar nicht.

Zur Mittagsruhe ist wieder Fernsehen angesagt. Ich stelle mir einen Film an, bei dem ich gut einschlafen kann. „Das Fenster zum Hof.“ Mein Fenster wird schnell dunkel.

Meine vier Wecker melden sich. Jetzt bräuchte ich auch vier Hände, um die Geräusche abzustellen.

Zum Abendgeschäft das Gleiche wie gestern. Ich komme mir vor wie Ostern. Eier, Eier, Eier. Ein Speckbrett für Vier. „Na endlich mal etwas zu Essen.“ Ich huste nach der Bemerkung. Gunda lacht. „Vergess die Sauren Zwiebeln nicht!“

Das hätte ich tatsächlich vergessen. Leider wird das in vielen Restaurants nicht mehr dazu gegeben. Eine Tradition schläft eben langsam ein, wenn man es nicht selbst tut.

Zum Feierabend begleitet mich Gunda an die Tür. Sie will sehen und hören, wie mein Moto klingt und wie ich drauf hänge.

Zu Hause wechsele ich das Fahrzeug, trinke schnell noch einen Kaffee und begebe mich in Richtung Reschen. Es ist Alles frei bis Nauders. Ich komme nach fünfundvierzig Minute Oben an. Das riecht nach einem Rekord. Dursun oder Alfred stehen nicht vor der Tür. Aber im Foyer.

„Ein seltener Gast“, ruft Alfred. Ich war nur einen Tag weg und schon vermisst er mich.

„Alles gut“, fragt Dursun.

„Ja, bis morgen oder Sonntag.“

„Und. Hast Du schon wieder Termine?“

„Ja. In Schenna.“

„Also, noch weiter weg.“

„Es gäbe vielleicht noch Etwas in Prad. Aber da muss ich erst noch mal anrufen.“

„Du bist ein viel beschäftigter Mann“, scherzt Alfred. „Dein Essen steht schon Oben. Gute Nacht.“

Joana schläft schon. Bei der Arbeit, kein Wunder. Nach meiner Toilette ist sie wach und hat mir einen Kaffee eingegossen. Wir reden noch etwas.

„Heute wäre eigentlich mal bissl Sex dran“, sag ich zu Joana. „Den hatte ich schon“, scherzt sie zurück.

Dann gratulieren wir mal den alpinen Skiassen

Und das führt uns zu der freudigen Nachricht über Olympia. Man überlegt. Wegen dem Klima. Angeblich.

Wenn man die Hauptzahler aussperrt, muss das Klima herhalten:-) Für NATO (Faschisten-)-Transporte scheint das nicht zu gelten.

Hier sind jetzt noch ein paar Cover für BoD – Der Saisonkoch -Dritter Monat

Bei BoD muss ich ein neues Cover einspielen für den Dritten Teil von Der Saisonkoch, den ich jetzt redigiert und korrigiert habe. Der dritte Teil handelt bei uns. Aus dem Grund wäre ein Südtiroler Motiv natürlich das Beste. Wie üblich, muss sich das Motiv von dem auf Amazon unterscheiden. Ich mach das, um Streitereien zu vermeiden.

Das ist aus dem Eggental

Und das der Blick auf Rabland/Partschins

Heute schauen wir mal nach unserem Nussschinken vom Cervo

Der hat jetzt 16 Tage gehangen. Das Salz ist bereits weg. Das Fleisch schön trocken außen. Innen soll er saftig bleiben.

Natürlich lassen wir den noch etwas hängen. Ab der vierten Woche schmeckt er schon spitze.