Begraben im Weiher

Marco hat inzwischen wieder Kontakt nach Hronec. Er möchte Genaueres über der Familie erfahren. Das Email, das von dort eintraf, war schon fast in Aktenstärke. Marco hat es Monika geschickt. Monika ist etwas überfordert. Die Akten sind in Slowakisch. Einen Dolmetscher von den hier Beschäftigten, braucht sie sich nicht organisieren. Die würden eher die Hälfte übersetzen oder lügen. Wer verrät schon gern seine abhängig beschäftigten Landsleute. Per Email bittet Sie die Beamten dort, nur das Wichtigste der Dokumente zu übersetzen.

„Morgen erhalten Sie die Übersetzung“, kommt umgehend als Antwort in bestechendem Deutsch.

Trotzdem kann Monika schon mal die Busgelder zusammenrechnen. Und das ist schon eine beneidenswerte Summe. Dagegen wirkt der Brennerübergang wie eine Filiale. Monika sieht die Forderung der Familie von Ema als berechtigt an. Ob jetzt deshalb Iva von der Familie ermordet wurde, findet Monika nicht unbedingt. Die Ämter wissen ja Bescheid. Es gibt Nichts zu verbergen. Es sei denn, Rauschgift wäre im Spiel. Aber das durch mehrere Europäische Grenzen zu bringen, ist schon ein Risiko. Trotzdem es so scheint, die Grenzen wären unbewacht. Die Kontrollen sind lediglich auf die Binnenstraßen verlagert worden. Und das sind mehr Kontrollen als vorher an den Grenzen.

Gelegentlich übersetzt Monika die Dokumente maschinell. Sie findet heraus, Henrich wird vermisst. Er wird als obdachlos geführt. Per Email stellt sie dem dortigen Amt die Frage nach Henrich. Die gleiche Frage stellt sie Marco zu. Der soll die Familie von Ema fragen, ob die Etwas wissen.

Die Antwort kommt prompt. Henrich ist Ema sehr wohl bekannt. Er wollte Ema oder Iva immerhin heiraten. Ema scherzt, er hätte auch gern uns Zwei geheiratet. Dafür wäre er auch zur Not zum Mormonen geworden.

Für Monika verdichtet sich der Pornoverdacht. Offensichtlich hat die Nachbarfamilie davon Wind bekommen. Vielleicht sind sie sogar involviert?

Als Händler und Vermarkter?

In den Unterlagen ist auch von Menschenschmuggel die Rede. Das muss Monika genauer heraus bekommen. Sie richtet deswegen eine extra Anfrage an das Amt in Hronec.

Es treffen neue Unterlagen ein. Die sind fast so umfangreich wie die ersten. Nach der maschinellen Übersetzung liest Monika Etwas von Mario und Evelina. Sie schüttelt mit dem Kopf. Hoffentlich haben die Bozner, die Zwei noch nicht laufen lassen. Marco bestätigt, die sitzen noch. Drei Anwälte wären da.

„In dem Gewerbe scheint man gut zu verdienen“, spottet Marco.

„Bei drei Anwälten.“

Begraben im Weiher

Toni verabschiedet sich. Er meint, genug erfahren zu haben. Heute muss er nicht weiter ermitteln. Er fährt nach Hause. Sicher hat Monika noch einige Funde.

Bei Monika angekommen, präsentiert er die Rippelen.

Monika wirft den Grill draußen an. Sie will die Rippelen auf dem Grill erwärmen. In der Zwischenzeit schaut Toni bei ihr auf den Computer.

Die Daten zeigen, die Nachbarfamilie von Ema war hier zum Beschneiden der Obstbäume. Sie haben auch auf Märkten gestanden. Auf den kleineren. Selbst Hausverkäufe haben sie versucht. Marco scheint gut zu vernehmen. Wahrscheinlich haben sie auch Waren gehehlt oder gehandelt, die in Häusern und Garagen der Südtiroler gestohlen wurden. Monika scherzt:

„Viel Wertvolles kann nicht dabei gewesen sein.“

„Wertvolles? Schon. In der Anzeige bei der Polizei.“

„Du meinst, Goldschmuck war keiner dabei?“

„Sicher auch. Vergoldeter aus Kroatien.“

Die Zwei lachen schadenfreudig.

„Der Goldschmuck wird mit der Anzeige, massiver.“

Bei der gemeinsamen Durchsicht der Notizen Monikas, fällt Toni viel auf. Wie scheint, ermitteln sie in die falsche Richtung oder nicht komplett. Ema erzählt von Freundschaften im Ort und in Meran.

Selbst ihre Familie weiß davon. Vater Ludvik ist genau deswegen böse. Wie scheint, ist Ema schwanger. Das muss Toni noch einmal extra erfragen. Ema hat so zu sagen, auf etwas Festes spekuliert.

„Ema muss sich unbedingt untersuchen lassen. Wir brauchen einen Labortest“, sagt Toni.

„Mein Labor wartet auch auf einen Test.“

„Auch das noch. Ich bin fertig.“

„Nach meiner Behandlung, sicher.“

Tonis körperliche Reserven sind erschöpft für heute. Monika beklagt sich nicht. Sie weiß warum. Das scheint ein Redeabend zu werden. Toni ist mit dem Kopf ganz wo Anders.

„Lass uns noch etwas an den Rippelen knabbern.“

„Essen macht mich müde.“

„Dann essen wir heute und morgen Früh werten wir die Unterlagen aus.“

„Die Idee ist gut. Wir schauen noch einen Film. Ich brauche etwas Ablenkung.“

„Wie wäre es mit der Reise zum Mittelpunkt der Erde?“

„Aber bitte die Version mit James Mason.“

„Die andere Version habe ich nicht mehr.“

Die Rippelen schmecken ausgezeichnet vom Holzgrill.

„Der Holzgrill soll giftig sein“, schreiben die in der Zeitung.

„Bei denen ist jeden Tag etwas Anderes giftig. Glaubst du deren Propaganda?“

„Die schreiben das aber auch bei uns in die Zeitung.“

„Unsere schreiben doch auch nur ab. Oder denkst du, die hätten das heraus gefunden?“

„Ich schätze, viele Hoteliers haben jetzt ihre Grillanlagen im Freien umsonst gebaut.“

„Keine Angst. In einem Jahr haben die das Alles vergessen. Und schaden tut das Keinem außer uns. Die Kosten bezahlen wir doch.“

„Manchmal kann ich deinen Ansichten nicht folgen.“

„Das musst du auch nicht. Hauptsache du weißt, wohin deine Ausgaben für die Hüttenerweiterung gebucht werden.“

„Das hat bis jetzt Papa Lukas gemacht.“

„Wenn er dabei etwas falsch gemacht hätte, wäre das hier dein erster Wohnsitz.“

Begraben im Weiher

„Die Stammgäste muss ich befragen.“

„Oh. Das hat auch für mich Folgen.“

„Ich bin nur ein privater Ermittler. Keine Sorge.“

„Also kommt Nichts in die Zeitung?“

„Das kann ich dir versprechen.“

„Dann werde ich mal die Rezeption benachrichtigen.“

„Ich muss aber noch etwas Anderes wissen. Auch Namen.“

„Und die lauten?“

„Emil, Ilona, Henrich, Kamila.“

„Das haben wir relativ schnell. Du kannst direkt warten. Willst du einen Kaffee?“

„Gerne.“

Toni möchte wissen, ob die Nachbarfamilie von Ema bei uns in Südtirol war. Sicher hätten die Frauen die Familie erkannt. Meist haben die Putzkräfte aber keinen Kontakt mit den Gästen. Und wenn, dann eher während der Hausreinigung oder bei sonstigen Kontakten. Das will Toni erfahren.

Marco hat inzwischen erfahren, als was die Nachbarn arbeiten. Sie sind Markthändler und produzieren kleine Souvenire.

Kaum hat Toni den Kaffee am Mund, kommt Paul wieder.

„Die waren bei uns. Vor Kurzem.“

„Danke.“

Paul gibt Toni den Ausdruck. Toni fotografiert ihn und schickt das Bild sofort zu Monika.

„Wie sieht es mit dem familiären Besuch Ihrer Beschäftigten aus?“

„Davon können wir sicher auch einen Ausdruck anfertigen.“

„Den kannst du bitte direkt zu Monika schicken. Ich bitte dich, den selbst anzufertigen.“

„Das mach ich dir gern. Unsere Familie möchte zu gern den Täter verhaftet wissen, der Iva auf dem Gewissen hat.“

Paul gibt Toni Rippelen mit. Fast vier Kilo.

„Hat sich mein Appetit schon herum gesprochen?“

„Das ist bereits Ortsgespräch.“

Beide lachen und verabschieden sich.

Toni muss jetzt noch in die Töll. Zur Schleuse.

Kaum betritt er das Restaurant, wird er von einer Rauchwolke empfangen. Am Tisch sitzen ein paar Männer, die Karten spielen. Hinter den Tresen steht Christoph, der Wirt. Er ist etwas angetrunken. Sein Sohn, Markus begrüßt Toni. Er kennt Toni gut. Er ist auch Motorradfahrer. Sie sind gelegentlich ein paar Runden zusammen gefahren.

„Was verschlägt dich zu uns?“

„Der Mord an Iva.“

„Die kannte ich gut. Mir tut das sehr Leid. Sie haben bei uns gelegentlich geputzt. Wie geht es Ema?“

„Die wird in der kommenden Zeit erst mal nicht zum Putzen kommen. Ihr werdet euch andere Kräfte suchen müssen.“

„Danke für den Hinweis.“

„Deine Mama und deine Schwester sind nicht da?“

„Du weißt doch, die arbeiten abends.“

„Alles klar. Waren nur Ema und Iva bei euch putzen oder auch deren Kolleginnen?“

„Nein. Nur die Zwei.“

Begraben im Weiher

Toni muss wieder zu Danka, Lenka und Sibyla. Jetzt hat er ein paar Druckmittel und kann sie besser befragen. Natürlich will er Paul, Mario und Evelina treffen.

Sein erster Weg führt ihn zu Paul ins Hotel Auge. Er ruft zuerst an. Paul sagt ihm, Mario ist im Haus. Paul soll die Zwei aufhalten.

Mario sitzt mit Evelina an der Bar im Foyer. Paul ist bei ihnen und hat ihnen eine Drink auf Hauskosten ausgegeben.

Tonis Telefon klingelt. Er wollte den Anruf erst ablehnen. Monika leuchtet aber auf dem Bildschirm. Toni nimmt an.

„Ich habe Pornos gefunden. Die hat Mario gedreht oder drehen lassen.“

„Hast du schon Marco angerufen?“

„Ja. Er ist unterwegs. Ich habe ihm die Kopien geschickt.“

„Auf den Videos ist wohl Iva oder Ema zu sehen?“

„Nein. Aber Evelina, Sibyla, Danka und Lenka.“

„Jetzt wird’s interessant.“

„Das sagst du bereits das dritte Mal in dem Fall.“

„Zählst du mit?“

„Heute Abend zähle ich mit.“

„Du bist wohl scharf geworden bei der Recherche?“

„Nein. Aber ich habe Hunger.“

„Soll ich ein paar Haxen mitbringen?“

Marco kommt gerade. Er hat Begleitung dabei. Die verhaften Mario und Evelina direkt an der Bar.

„Verdacht auf Menschenhandel, Kinderpornografie und Erpressung“, sagt Marco.

„Die haben nicht mal ausgetrunken“, sagt Paul.

„Vielleicht sind sie nur erschrocken.“

Marco sagt, die Hinweise der Familie haben viel ergeben. Die Wohnung von Andreas wurde durchsucht. Man wurde fündig.

„Ei. Die Fotos hatte ich in den Händen“, sagt Toni.

„Das wissen wir bereits. Aber das Material, welches kriminell ist, hast du nicht gesehen.“

„Da hab ich aber Glück gehabt.“

Toni sagt zu Paul, er möchte die Zimmermädchen befragen.

„Hast du heute Haxen oder Rippelen auf der Tageskarte?“

„Du hast Glück. Haxen sind dabei.“

„Kannst du mir zwei oder drei mitgeben?“

„Natürlich.“

Die Zimmermädchen kommen.

„Es gibt neue Fragen.“

„Wir haben schon gehört. Mario wurde fest genommen.“

„Offensichtlich scheint der Buschfunk zu funktionieren bei euch.“

Die Zwei bleiben ruhig.

„Habt ihr schon Ersatz für eure Kolleginnen?“

„Sibyla hat uns Vertretung versprochen.“

„Sibyla wurde verhaftet.“

„Ja dann – wird es schwierig für uns.“

„Wir haben Filme gefunden, in denen ihr mit spielt.“

„Oh je“, sagt Danka.

Lenka wird rot.

„Bin ich auch dabei?“

„Du hast eine schöne Figur gemacht.“

„Wolltet ihr Ema und Iva mit in diesen Filmen haben?“

„Sie hätten uns schon gefallen. Beide sind schön.“

„Darf ich davon ausgehen, bei den Gästen des Hauses die Tester zu finden?“

„Ja.“

„Sagt ihr mir die Namen?“

„Wenn es sein muss.“

Die Liste wird ziemlich lang. Vier Hausgäste. Die sind auch Stammgäste von Paul. Paul wird langsam verlegen. Er scheint von Nichts zu wissen.

Begraben im Weiher

Brigitte kommt. Die Zwei gehen und lassen Toni mit Brigitte allein.

„Kennst du Iva und Ema?“

„Ja. Die haben uns geholfen.“

„Iva ist ermordet worden.“

Brigitte wirkt sofort traurig. Sie weint.

„Das waren sehr gute Kolleginnen. Sauber und schnell.“

„Wo haben die Zwei geholfen?“

„In den Zimmern. In der Wäscherei wollten sie nicht dienen. Dort war es ihnen zu warm.“

„Kennst du Sibyla, Lenka und Danka?“

„Ja. Die arbeiten auch zeitweise bei uns.“

„Sind die auch so gut wie Ema und Iva?“

„Nicht ganz.“

„Also habt ihr eher Iva und Ema angerufen, wenn ihr Hilfe benötigt?“

„Ja. Die Zwei sind zwar etwas teurer als ihre Kolleginnen. Sie sind es aber wert.“

„Gab es irgendwelche Verhältnisse bei den Beiden?“

„Du meinst, Freundschaftsbeziehungen?“

„Ja.“

„Viele Gäste mochten die Zwei.“

„Männliche?“

„Nicht nur.“

„Ist auch ein deutscher Hotelier mit seiner Frau dabei?“

„Ja. Er wollte die Zwei immer abwerben.“

„Kennst du die Namen von Denen?“

„Ja. Mario und Evelina. Evelina ist Slowakin.“

„Danke, Brigitte. Wenn ich noch fragen habe, rufe ich dich an.“

Schon ist das Interview beendet. Brigitte gibt Toni ihre Nummer.

Toni glaubt, eine Spur zu haben. Er weiß noch nicht, wie wertvoll die ist. Er muss zurück ins Büro. Er möchte den Hotelnamen des deutschen Hoteliers erfahren.

„Patrick. Kannst du mir sagen, welches Hotel in Deutschland, Mario gehört?“

„Sicher. Das dauert etwas.“

Patrick verschwindet schnell im Büro. In zwei Minuten ist er schon wieder da.

„Zur Kurve heißt deren Hotel.“

„Danke Patrick.“

Toni ruft jetzt Monika an.

„Ich kann jetzt hoch kommen. Mach das Wasser warm. Ich habe eine Spur.“

„Ich habe auch eine gefunden.“

„Na, das wird ein lustiger Abend.“

„Du meinst den Morgen.“

Beide lachen.

Kaum ist Toni oben bei Monika, gesteht er ihr:

„Ich habe heute mehr Zwickel gesehen als bei einer Parade unseres Musikkorps.“

„Und gerochen?“

„Teilweise, schätze ich.“

„Ich hab uns warme Kaminwurzen gemacht.“

„Vom Schwein?“

„Ja sicher.“

„Rainer hat mir ein paar Rippele für dich mit gegeben.“

„Ich werde mich demnächst bei ihm ohne Unterhose bedanken.“

„Du liebst wohl Rainer noch?“

„Naja. Etwas mehr als dich.“

„Aber Rainer ist doch verheiratet.“

„Du doch auch.“

„Aber Rainer ist doch viel kleiner als ich.“

„Deswegen habe ich dich geheiratet.“

„Also, liebst du Rainer nur in der Not.“

„Bei dir, habe ich noch keine Not.“

„Du hast aber schön warm gemacht heute.“

„Dir wird gleich bedeutend wärmer.“

Am Morgen werten die Zwei ihre Spuren aus und vergleichen sie.

„Ich habe einen verdächtigen deutschen Hotelier.“

„Ich habe im Ort der Familie eine zweite Familie gefunden. Und deren Frauen und Männer arbeiten auch in Südtirol. Es gibt Streit zwischen den Familien.“

„Und das hast du aus den Befragungen der Familie heraus gehört?“

„Ich habe noch einmal nach gefragt bei Marco.“

„Was ist die Ursache des Streites?“

„Die zwei Familien haben zusammen ein Auto gekauft oder gemietet. Die andere Familie hat nicht bezahlt, nutzt aber das Auto mehr.“

„Alles klar.“

„Nicht ganz. Es gibt diverse Anzeigen mit reichlich Bußgeldbescheiden.“

„Ach so. Ist da etwas Kriminelles dabei?“

„Nur etwas. Schmuggel und so weiter.“

Begraben im Weiher

Wie üblich, nimmt Toni Alles auf. Er überspielt die Aufnahmen auf Monikas Computer. Die soll dann zu Hause suchen, ob sie Etwas findet. Die Methode hat sich als gut erwiesen. Sie hat einen Nachteil. Monika wird so zur Heimarbeiterin. Bekanntlich wird deren Arbeit oft weit unterschätzt und nicht entsprechend gewürdigt.

Jetzt bleibt Toni noch der Weg ins Hotel Gutmut. Das befindet sich nicht weit entfernt vom Wanderhut. Eigentlich nur über eine Kreuzung. Das Gebäude ist ähnlich groß wie der Wanderhut. Es gibt reichlich Personal. Natürlich auch reichlich Zimmermädchen. Und genau die, sucht Toni. Er ruft an dort.

Der Chef geht ans Telefon. Erstellt sich bei der Nachfrage Tonis gleich mit seinem Namen vor; Patrick. Patrick klingt recht jung am Telefon. Wahrscheinlich ist das bereits der Junior des Hotels.

Der Parkplatz des Hotels ist voll belegt. Toni muss gegenüber parken und über die Straße laufen. Die Rezeption des Hotels ist belagert. Kein Platz ist frei. Toni winkt. Keine Reaktion. Er ruft im Foyer, Patrick an. Der kommt aus seinem Büro hinter der Rezeption. Beide lachen über den Telefonanruf aus Not.

„Seit elf Uhr sehe ich das eigene Foyer nicht mehr“, sagt er lachend.

Die Beiden entfernen sich. Das vielsprachige Geschnatter strapaziert ihre Nerven zu gewaltig. Sie verstehen sich nicht.

Das Hotel hat auch ein feines Stübele. Natürlich aus Zirbenholz.

„Ich muss mit deinen Zimmermädchen sprechen. Am besten, mit der Gouvernante.“

„Warum?“

„Ich ermittle im Mord an Iva, dem Zimmermädchen.“

„Ich habe gehört davon. Bist du schon weiter?“

„Ja. Iva wurde mit ihrer Schwester verwechselt. Die heißt Ema. Beide haben bei dir gearbeitet.“

„Na dann, muss ich Brigitte rufen. Die ist auf Etage.“

„Hast du vielleicht Unterlagen zu den Zweien?“

„Da muss ich die Chefin fragen. Die leitet das Büro.“

„Wo ist das Büro?“

„Gleich hinter meinem.“

„Da seht ihr ja den ganzen Tag keine Sonne.“

„Du genügst uns.“

Beide lachen. Bei Patrick wirkt es etwas aufgesetzt.

Toni bemerkt das.

„Gehen wir gleich zusammen hin?“

„Natürlich. Die Damen werden sich freuen.“

Im Büro riecht es etwas verschwitzt.

„Viel Arbeit im Moment“, sagt Toni.

Patrick versteht den Wink.

„Macht mal bitte das Fenster auf“, sagt er zu den Frauen.

„Mich friert aber“, antwortet Laura, die Chefin.

Patrick stellt den Frauen, Toni vor.

„Ich benötige Lohnunterlagen von ihren Zimmermädchen.“

Das Lächeln der Damen verschwindet. Die Freundlichkeit wirkt ab jetzt aufgesetzt. Toni bemerkt das auch.

„Von allen Zimmermädchen? Auch von den Aushilfen?“

„Ja.“

Der Drucker schnattert. Es kommt eine ziemlich lange, schwer zu lesende Liste aus dem Schacht des Druckers.

„Wo finde ich die Namen?“, fragt Toni.

„An dritter Stelle.“

Wie überall, steht Ema auf der Liste. Iva nicht. Dafür findet Toni aber Sibyla, Danka und Lenka.

Brigitte kommt.

„Wir müssen uns kurz in einem ruhigen Raum unterhalten.“

„Gehen wir in unser Stübele“, sagt Patrick.

„Ich muss mit Brigitte allein sprechen“, sagt Toni zu Patrick und Laura.

Jetzt bemerkt Toni eine trotzige Reaktion von Laura.

Begraben im Weiher

Schon im Foyer wird Toni von Rainer erwartet. Sie gehen zusammen ins Stübele. Toni möchte eigentlich nur wissen, wann Ema und Iva bei ihm gedient haben. Gleichzeitig fragt er aber auch Rainer, ob zufällig die anderen Kolleginnen bei ihm gearbeitet haben.

Rainer gibt ihm zu verstehen, er wünsche keine große Geschichte oder gar Schlagzeilen. Immerhin hängt die Existenz des Hauses und der Familie daran.

„Ich kann dir Ausdrucke unserer Lohnmeldungen machen lassen.“

„Wie sieht es mit der anderen Beschäftigung aus?“

„Die Mädchen haben oft gesagt, sie bekämen von Familienangehörigen geholfen. Ich hatte nach der Prüfung der Ergebnisse nichts dagegen.“

„Du hast sie also als Familienunternehmen im Familienunternehmen beschäftigt?“

„Das ist eine gute Beschreibung, Toni.“

„Du bist demnach nicht im Bilde, wer bei dir gearbeitet hat?“

„Nein. Frage bitte mal Magda; die Gouvernante.“

„Schick mir die mal bitte hier her.“

„Möchtest du noch Etwas zu trinken?“

„Wenn es Recht ist, einen Kaffee für mich. Was gibt es heute bei dir zum Personalessen?“

„Rippelen.“

„Meinst du Südtiroler Rippelen oder die Knochen aus Deutschland?“

„Richtige. Unsere.“

„Würdest du mir eine Portion geben?“

„Spendieren meinst du?“

„Bei einer Spende dürfen es auch zwei Portionen Rippelen sein.“

„Gut. Das bekommst du. Versprich mir aber, den Mord aufzuklären.“

„Ich hab Hunger. Versprochen.“

Zwischenzeitlich kommt Magda. Magda ist etwas schneller als die Rippelen. Rainer sieht das und bremst die Auslieferung des Essens. Der Kaffee kommt. Magda würde auch gern Einen trinken. Ihr Kaffee kommt unverzüglich. Toni will nur wissen, ob die ganze Familie von Ema und Iva im Wanderhut gearbeitet hat. Magda hat das mit einem Nicken bestätigt.

„Die Löhne haben wir immer Ema überwiesen. Die Lohnzettel waren auch auf sie ausgestellt.“

„Kennst du die anderen Familienmitglieder persönlich?“

„Ja. Iva und Ema waren sich sehr ähnlich. Ich dachte immer, sie seien Zwillinge. Die Zwei haben sehr gut gearbeitet. Ihre Zimmer waren immer sehr gut geputzt und gerichtet.“

Toni winkt. Die Rippelen können kommen. Er bedankt sich bei Magda.

„Wenn ich noch Fragen habe, melde ich mich bei dir. Geb mir bitte deine Telefonnummer.“

Magda weiß die Nummer nicht mal aus dem Kopf. Sie legt Toni das Handy hin.

„Die Karte und Nummer habe ich erst neu.“

Magda bleibt noch etwas bei Toni. Sie unterhalten sich noch etwas, während Toni isst und Magda den Kaffee trinkt. Die Pause täte ihr gut, hat sie gesagt.

Rainer kontrolliert immer, ob die Zwei sich noch unterhalten.

Begraben im Weiher

Toni verabschiedet sich von Sibyla.

„Besuch mich mal wieder“, sagt sie zu ihm.

„Gerne. Ich bringe mal Monika mit. Du hast einen schönen Garten.“

„Nicht nur das.“

Toni wird nicht mehr rot. Er kennt inzwischen alle doppelsinnigen Anspielungen.

Er muss jetzt zu Danka. Vorher ruft er Paul an. Seine Rezeptionistin geht ans Telefon.

„Paul ist nicht da im Moment.“

„Ist Danka im Haus?“

„Da muss ich auf der Etage und in der Wäscherei anrufen.“

„Mach bitte kein Trara. Ich muss sie nur etwas fragen. Entweder in eurem Extrazimmer oder an der Rezeption.“

„Ist gut. Ich lasse sie kommen. Wann sind sie hier?“

„In zehn Minuten.“

Oh. Toni hätte eine größere Zeitspanne sagen sollen. Zehn Minuten sind etwas knapp. Obwohl er gerade auf die MEBO auffährt.

Toni kommt pünktlich an. Danka steht noch nicht an der Rezeption.

„Danka ist auf ihrem Zimmer. Sie muss heute Abend abdecken.“

Toni weiß bereits wo ihr Zimmer ist. Er geht hin. Er muss nicht mal anklopfen. Danka steht bereits in der offenen Tür. Wahrscheinlich hat die Rezeptionistin schon angerufen. Sie ist auch Slowakin.

„Ich habe jetzt Zimmerstunde.“

„Das ist aber zeitig.“

„Ich muss heute Abend noch abdecken und die Sauna putzen.“

„Darf ich rein kommen?“

„Ja. Meine Kollegin ist auch da.“

Die Kollegin ist recht dünn angezogen. Sie stellt sich mit Lenka vor. Lenka ist nicht so schön wie ihre Kolleginnen. Eher etwas maskulin mit ziemlich kurzem Haar und einer, eher sportlichen Figur. Toni muss in sich lachen. Die Zwei schlafen im Doppelbett.

„Ich habe eigentlich nur ein paar Fragen. Die brauche ich der Vollständigkeit halber.“

„Und die Fragen wären?“, sagt Danka. Danka spricht sehr gut Deutsch.

„Geht ihr mit euren Kolleginnen in die Laterne zum Tanz?“

„Ja.“

Die Antwort ist Toni etwas zu knapp.

„Geht ihr immer alle und zusammen?“

„Wenn ein Mädchen abdecken muss, geht sie nicht mit.“

„Das Abdecken dauert wohl ziemlich lange?“

„In manchen Zimmern zu lange.“

Toni versteht den Wink nur zu gut. Er fragt nicht tiefer nach. Außer in einem Fall.

„Wie sieht das mit einem deutschen Hotelier aus?“

„Bei dem dauert es immer besonders lange. Er möchte uns in seinem Betrieb haben.“

„Alle?“

„Ja.“

„Und wie sieht es damit aus?“

Toni klopft mit einer flachen Hand auf die andere, die er zur Faust zusammenrollt.

„Ja. Genau deswegen.“

„Er zahlt wohl gut?“

„Seine Frau rechnet mit uns ab.“

„Er hat eine Frau?“

„Ja. Sie ist auch da.“

Toni möchte das nicht weiter erfragen. Ihn interessiert das nur nebenbei. Er befürchtet sonst, den Faden zu verlieren.

„War’t ihr letzten Dienstag in der Laterne?“

„Ich nicht. Aber Lenka war mit.“

„Lenka. Wie Viele war’t ihr?“

„Wir waren zu viert.“

„Wie lange war’t ihr zusammen?“

„Eigentlich bis zum Schluss. Wir treffen uns immer für den gemeinsamen Heimweg.“

„Iva, Ema, Sibyla und du?“

„Nein. Danka hat uns abgeholt.“

„Also war’t ihr zu Fünft?“

„Nein. Iva hat sich von uns verabschiedet und ist zurück gegangen.“

„Hat auf sie Jemand gewartet?“

„Sicher. Sie hat gesagt, sie hat eine Verabredung.“

„Mit wem, hat sie euch nicht gesagt?“

„Nein. Sie sprach nur von einem Riesending.“

Toni fragt das nicht weiter. Er kann sich vorstellen, was die Frauen meinen. Er muss Monika auf die Mädchen ansetzen. Vielleicht erfährt Moni mehr. Langsam erklären sich auch die vielen Spermaspuren bei Iva. Er schüttelt mit dem Kopf. Schlammreiter.

Er erfährt viel Nebensächlichkeiten von den Frauen. Vielleicht ist dieser oder jener Anhaltspunkt dabei. Er hat alles aufgenommen. Heimlich. Den Mädchen hat er das nicht gesagt. Er wollte, das sie hemmungslos auspacken.

„Gute Nacht“, sagt Toni beim Abschied von den Zweien.

„Komm ruhig mal wieder“, antwortet Danka. Sie zeigt dabei etwas Oberschenkel.

Toni möchte Paul noch etwas fragen. An der Rezeption bekommt er gesagt, Paul sei unterwegs.

Eigentlich möchte Toni jetzt noch die anderen Hotels besuchen. Die Zeit wäre günstig. Wir nähern uns der Zimmerstunde und Mittagspause.

„Was gibt es denn heute bei euch zum Mittag?“

„Hähnchenschenkel, so viel ich weiß“, ist die Antwort der Rezeptionistin.

Vielleicht gibt es im Wanderhut etwas Besseres. Mal sehen.

Toni fährt zum Wanderhut. Rainer, der Chef, erwartet ihn schon. Toni hatte sich telefonisch angemeldet.

Begraben im Weiher

Nach dem Duschen reden die Zwei über Ema, Iva und Danka. So viel Monika bisher gehört hat von den Eltern und Radim, haben die Drei mit dem Wissen der Familie, Etwas dazu verdient. Jozefa hat mehr gewusst als Ludvik. Das konnte Monika bereits heraus hören.

„Wir müssen morgen zu Sibyla und Danka“, sagt sie zu Toni.

„So, wie du gerade duftest, wird es wohl etwas später.“

„Halte mich nicht immer von der Arbeit ab.“

„Du wirst doch nicht etwa wie die anderen Frauen?“

„Wie meinst du das?“

„Vor der Hochzeit, drei Mal täglich; nach der Hochzeit, einmal jährlich. Mit dem Ehemann.“

„Du kannst es ja mal ausprobieren.“

Beim Kaffee fragt Toni, Monika:

„Ist Ema noch erreichbar?“

„Sie ist bei ihrer Familie.“

„Die Familie muss unbedingt vollständig hier bleiben.“

„Ich sage es Marco.“

„Bleibst du hier?“

„Ich muss noch die ganzen Daten auswerten. Mir wäre das am liebsten.“

Toni fährt nach Unten. Dort wartet schon wieder Marco. Bei ihm ist Donato. Doris kommt sofort mit dem Kaffee.

„Doris. Ich muss wissen, ob auch Danka bei dir war.“

„Geb mir mal bitte das Bild von ihr. Ich frage Julian.“

„Die sind auf den Strich gegangen“, sagt Marco. „Aber nur in Familie – selbst organisiert.“

„Dann besteht ja die Möglichkeit, die Konkurrenz hat da etwas mitgesprochen.“

„Das untersuchen wir gerade.“

„Kennst du die Hauptakteure?“

„Ja. Alle.“

„Hast du die schon vorgeladen?“

„Wir befragen die gerade.“

„Ich muss zuerst zu Sibyla und dann zu Felix.“

„Die Frau war auch bei uns“, sagt Julian.

„Kannst du dich noch erinnern, was die an hatte?“

„Sie kam fast immer in den gleichen Sachen.“

„War sie so fleißig wie Ema und Iva?“

„Das muss ich Garib fragen.“

„Ich komme heute Abend vorbei.“

„Bis dann.“

Toni fährt als Erstes zu Felix. Felix erkennt ihn schon von Weitem. Die Tür öffnet sich.

„Ich muss wissen, ob du alle drei Frauen kennst.“

Toni zeigt ihm die Bilder.

„Die waren immer zusammen.“

„War Sibyla auch dabei?“

„Immer.“

„Hast du ein brauchbares Foto von Sibyla?“

„Aber natürlich. Ich habe fast schon eine Sammlung.“

„Ich brauche nur das Gesicht.“

„Das werden wir leicht finden.“

Die Sammlung ist ziemlich umfangreich. Von gut gekleidet bis Akt.

„Sibyla ist sehr schön.“

„Ja eben. Das ist ein schwerer Verlust für mich.“

Toni findet ein Porträtfoto.

„Das würde ich gern behalten. Bis die Ermittlung abgeschlossen ist.“

„Gerne. Informiere mich bitte, wenn du mehr weißt.“

„Versprochen.“

Jetzt fährt Toni zu Sibyla. Sibyla sieht ihn schon vor dem Haus kommen. Sie steht gerade im Garten und telefoniert.

„Das ist ein schönes Motorrad“, sagt sie zu ihm.

„Danke. Ich habe ein paar Fragen an sie.“

„Ich bin Sibyla.“

„Toni.“

„Ich muss wissen, ob du auch Danka mit vermittelt hast.“

„Natürlich. Das weißt du aber schon.“

„Waren zu den Tanzabenden bei Doris auch noch andere Mädchen dabei. Du vielleicht?“

„Ich war und bin auch ziemlich oft dort.“

„Am Tag des Mordes auch?“

„Da war ich nur kurz. Jonas war mit. Er hat geschimpft mit mir.“

„Warum?“

„Ich habe zu heftig mit Luis getanzt.“

„Eifersucht?“

„Eher Alkohol.“

„Hast du ein Bild von dir?“

„Was für eins möchtest du gern?“

„Naja. Eine Vorlage brauche ich nicht mehr.“

„Ein Passbild vielleicht?“

„Das wäre richtig. Es kann auch etwas größer sein.“

Sibyla holt ein ganzes Sortiment heraus. Toni rollt mit den Augen. Wie scheint, hat Sibyla auch Pornos gedreht.

„Ist das privat?“

„Naja. Das veröffentliche ich im Netz. Ich habe dort meine Seite. Wir leben auch davon.“

„Dann führst du ja schon ein recht großes Unternehmen.“

„Mir wird das schon fast zu groß.“

„Als Personalvermittlung ist deine Firma aber registriert.“

„Ist das etwa keine Personalvermittlung?“

„Du hast Recht. Es ist eine. Ich ermittle nicht in dem Zusammenhang. Es besteht keine Gefahr.“

„So lange du nicht meine Kundenkartei einliest, geht das ja in Ordnung.“

„Steckt dort so viel Gefahr drin?“

„Nicht für mich.“

Begraben im Weiher

Also, führt die Zwei der Weg heute wieder zu Doris. Kaum sind sie angekommen, werden sie von Doris empfangen. Doris bietet ihnen gleich eine Pizza von Garib, den Pizzaiolo an. Garib erkennt Monika und Toni. Er belegt die Pizza der Zwei etwas üppiger. Er schaut Monika auf die Hüften und legt noch ein paar Scheiben Speck dazu. Doris muss lachen.

„Für Monika“, flüstert er.

Doris nickt ihm zu. Julian, ihr Sohn, hilft heute am Tresen. Er soll die Zwei bewirten. Julian hat auch etwas Überblick bei den Tanzveranstaltungen. Er bedient auch die Gäste im Vereinszimmer. Heute ist das nur Toni und Monika. Sie sind sehr früh zu Doris gegangen, bevor der Ansturm der Touristen einsetzt. Sie wollen auch mit der letzten Bahn nach Oben fahren.

Julian kommt kurz zu ihnen.

„Julian, kannst du dich an diese zwei Frauen erinnern?“

Toni zeigt ihm die Bilder von Ema und Iva.

„Ja. An die hier.“

Julian zeigt auf Iva.

„Die andere Frau hast du nicht gesehen?“

„Nein.“

„Weißt du noch, was Iva an hatte?“

„Daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Hat Iva mit Jemandem getanzt?“

„Ich glaube, sie hat nur getanzt.“

„Mit wem?“

„Mit fast Allen, die Vorne sitzen und stehen.“

Das wird schwierig, denkt sich Toni. Am besten, er schickt Monika vor. Monika kann das bedeutend geschickter lösen.

Garib bemerkt die Fragen von Monika.

„Zeig mir mal die Bilder.“

Monika zeigt sie ihm.

„Die Zwei habe ich gesehen. Sie sind häufig nach Draußen gegangen. Immer mit einem Anderen. Ich glaube, sie bumsen Draußen und im Keller.“

Die Männer am Tresen halten sich dagegen etwas zurück. Sie schauen sich untereinander an und lachen. Schorsch ist auch da.

„Wenn du mir die so zeigst, kenne ich die Mädchen.“

„Waren die oft hier?“

„Immer dienstags.“

„Warum hast du das nicht gleich gesagt?“

„Naja. Du weißt schon.“

„Warst du auch mit den Mädchen, Draußen? Wir haben die Proben vom Sperma.“

Monika blufft. Von Schorsch gibt es keine Spuren.

„Das letzte und vorletzte Mal nicht.“

„Wieso nicht?“

„Als Zehnter?“

„Ach so.“

„Was hast du immer gegeben?“

„Sie waren recht günstig. Günstiger als in Meran und Bozen. Vierzig.“

Monika lacht.

„Für eine Hasennummer?“

Schorsch muss auch lachen.

„Was denkst du? Willst du es mal probieren?“

„Das würdest du nicht überleben in deinem Zustand.“

„Bei dir hätte ich drei Leben. Du hast Recht. Es war eine schnelle Nummer.“

„Eine Handnummer oder eine richtige?“

„Für eine Handnummer wollte sie Dreißig.“

„Und du glaubst jetzt, das war eine richtige Nummer?“

„Warm und schön war es auf alle Fälle.“

Beide lachen.

„Wärmer als bei deiner Hilde? Die hat doch auch ein schönes Büromaß.“

„Naja. Das ist eben kein lebendiges wie deins.“

„Du Schlawiner. Danke für deine Auskünfte.“

Schorsch versucht, beim Gehen, Monikas Hintern zu berühren. Monika greift blitzschnell mit einem festen Griff in den Schritt von Schorsch zurück.

„Usch!“

„Verschluck dich nicht.“

Toni hat das beobachtet und lacht sich fast krumm.

„Der kann jetzt drei Tage nicht fahren.“

„Das stimmt. Bei Johanna in der Garage jedenfalls nicht.“

„Der Griff war nicht schlecht.“

„Den habe ich für dich trainiert. Bei Schorsch habe ich aber ins Leere gegriffen.“

„Der Arme.“

„Du meinst, die arme Hilde.“

„Naja. Hilde hat den Hof und zwei Knechte.“

Monika gibt Toni einen Kuss.

„Saug nicht so stark.“

„Warte ab. Dann.“

Die Zwei fahren in die Hütte. Toni stellt das Wasser an. Monika spielt die Aufnahmen auf ihren Computer. Sie trägt die Kopfhörer und hört sich schon einen Teil an bis das Wasser warm ist. Toni schaut ihr zu. Wahrscheinlich hat sie schon etwas bemerkt. Sie lacht. Und das ausgerechnet bei dem Thema.