Karinka

Karinka kann sich nur an den äußersten Rand der Sitzgruppe setzen. Wenn das Gäste bemerken, wäre ihr Ruf sofort ruiniert. Unter den Gästen sind oft auch Kollegen der Hoteliers. Die schauen nicht selten nach Angeboten auf dem Personalmarkt. Etela weiß das. Sie hat Karinka auf diese Typen aufmerksam gemacht. Alle kennt sie aber nicht. Zu oft wird eine gute Kraft auch von den Hoteliers angeschwärzt. Auf diese Art, möchten die Hoteliers die Kraft für sich gewinnen. Preiswerter, versteht sich. Allgemein besprechen das die Gastronomen telefonisch untereinander. Selten wird die Beurteilung auch schriftlich verfasst und dem Arbeiter gegeben. Den Arbeiter würde das schon auch interessieren. Dem Arbeiter wird dagegen ein mit kodierten Lügen gespicktes Schriftstück ausgehändigt.

„Ich verbrenne meine Beurteilungen“, sagt Etela.

„Die sind alle nichts wert.“

„Aber, dann hast du keine Zeugnisse“, antwortet Karinka.

„Die Zeugnisse stehen in deinen Lohnunterlagen“, gibt Etela ihr zu verstehen.

„Aber da steht doch nicht, ob dein letzter Chef mit dir zufrieden war.“

„Wenn du den regelmäßig an dein Nest lässt, wird er schon zufrieden sein.“

Die Zwei lachen.

„Was ist, wenn ich ihn nicht ran lasse?“

„Dann lernst du richtiges Deutsch in seiner Vielfalt kennen.“

Unter der Woche kommen wenig Gäste von Auswärts. Der Abend ist relativ zeitig beendet. Die Kollegen können ein kleines Willkommen feiern. Die letzten drei Hotelgäste nehmen bei Jarosch Platz. Etela und Karinka können die Tische schnell abräumen. Sie wollten auch gleich die Stühle auf die Tische stellen. Clara hatte das eigentlich verboten.

„Das wirkt Gäste abweisend“, hat sie gesagt.

Jarosch sieht das ähnlich streng. Er gibt mit den Augen die entsprechenden Zeichen. Etela folgt diesem Hinweis. Eigentlich sind auch Personaltreffen nicht gern gesehen. Die sollen sich in ihren Zimmern treffen. In dem Fall, hat Clara eine Ausnahme genehmigt. Kurz. Bis zur Schließung.

Die letzten drei Hausgäste gehen. Kurz nach Mitternacht, kann Jarosch das Stübele schließen. Die Drei putzen schnell das Gröbste. Der Raum wird gelüftet. Hier ist das Rauchen erlaubt. Das scheint auch der Grund für die rege Nutzung des Stübeles zu sein.

„Manchmal kommen auch Gäste während des Menüs zu uns“, sagt Jarosch.

„Zwischen den Gängen.“

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