Karinka

„Zum Glück bin ich hier auf Vorstellung. Die Verträge für Südtirol sind erst in zwei Monaten fällig.“

„Zur Not kannst du die auch absagen.“

„Ich muss dafür keine Strafe zahlen?“

„Du bist noch ziemlich neu in dem Geschäft. Das kostet nichts.“

„Dann ist es ja gut.“

„Dann sind wir bei meinem Chef. Und der wird dich ganz sicher nehmen.“

„Dann bin ich erst mal beruhigt.“

„Ich lege uns mal einen schönen Film ein.“

Etela legt einen Liebesfilm ein. Sie streichelt dabei Karinka. Karinka reagiert kaum. Sie wirkt etwas steif.

„Du bist nicht bei der Sache.“

„Entschuldige. Die Nachricht macht mich nervös.“

„Lass uns Etwas essen. Wir schauen dabei ein paar Filme. Das scheint der falsche Zeitpunkt zu sein.“

„Was hast du mit?“

„Das Übliche. Was hast du?“

„Fast das Gleiche aber von hier.“

„Dann lassen wir uns das mal schmecken.“

Nach dem Film und der Jause, fragt Etela, was Karinka für einen Beruf hat.

„Ich bin Hotelfacharbeiter.“

„Dann kannst du ja Alles?“

„Das ist sicher.“

„Für mich war das nicht so leicht.“

„Was verdienst du hier?“

„Etwa eintausend Fünfhundert. Du bekommst sicher etwas mehr. Später. Es gibt ein Einstiegsgehalt.“

„Das würde uns schon reichen.“

„Wir können zum Chef gehen. Es ist soweit.“

Sie kommen im Foyer des Hotels an. Es glänzt wie in einem Palast. Ein Teil des Restaurants ist ein Stübele. Dort sitzt das Personal des Hauses beim Abendessen. Das Personal isst vor den Gästen.

Als Karinka mit Etela das Stübele betritt, stellt sie Karinka gleich recht laut vor. Alle grüßen. Sie wird von Oben bis Unten begutachtet. Der Chef und seine Frau winken Karinka an ihren Tisch. Karinka soll mit ihnen zusammen essen. Etela geht zu ihren Kolleginnen. Die fangen sofort an zu tuscheln. Sie lachen gelegentlich. Karinka spürt ihre Blicke. Sie ist etwas nervös.

Der Chef, Hubertus, stellt sich und seine Frau, Clara, vor. Sie haben zwei Kinder. Die sind nicht zu Hause. Sie studieren.

„Unsere Kinder kommen uns sehr selten besuchen. Höchstens kurz in den Ferien. Sie wollen nicht in unserem Gewerbe arbeiten.“

„Das kann ich nicht verstehen. Sie haben doch ein sehr schönes Haus.“

Hubertus verzichtet, die damit verbundenen Schulden zu erwähnen. Obwohl die Schulden auch eine Art, Strategie sind. Die Familie zahlt immer. Entweder als Steuer oder eben als Zins. Die Zinsen scheinen ihnen lieber zu sein.

Hubertus sieht für sein Alter recht gut aus. Clara scheint wesentlich jünger zu sein. Sie ist sicher seine zweite Frau. Das zu erfragen, traut sich Karinka nicht.

Hubertus war von der Bewerbung Karinkas beeindruckt. Er bietet ihr sechszehn Hundert als Einsteigsgehalt an. Karinka fällt fast aus den Wolken. Auf die Frage, ob es ihr bei Etela gefällt, kommt ein Ja von Kalinka. Hubertus wirkt erleichtert.

„Willst du dir das Geschäft heute Abend schon mal anschauen?“

„Gerne.“

„Du wirst bei uns bedienen. Wir geben dir das Stübele als Bereich.“

Karinka ist etwas überrascht, weil sie gleich mit Du angesprochen wird. Hubertus und Clara erwarten das auch ihrerseits. Die Lockerheit gibt Karinka Mut und Zuversicht.

„Wir gehen dann gleich zusammen in die Wäschekammer. Ich gebe dir unsere Hauskleidung“, sagt Clara.

Das Abendessen schmeckt Karinka. Sie ist es nur nicht gewohnt, abends warm zu essen. Zu Hause fiel das Abendessen bedeutend bescheidener aus. Sie wirkt zufrieden jetzt.

Etela kommt zum Tisch von Hubertus.

„Ihr kennt euch ja bereits. Etela wird deine Zimmerkollegin. Sie hilft dir auch gelegentlich im Stübele. Etela zeigt dir jetzt gleich noch das Haus. Danach gibt dir Clara unsere Hauskleidung.“

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