Begraben im Weiher

Herbert kommt nicht mit dem Auto. Er fährt Ape. Ein Dreirad.

Nach dem Essen fängt Herbert an zu beichten. Iva wollte von ihm kein Geld. Weil er so schön mit ihr tanzt. Dabei lernte Iva eben viele Männer kennen, die bezahlen. Das war meine Prämie.

„Iva hat mich immer mit Naturalien bezahlt. Und die waren doch nicht von schlechten Eltern.“

Toni kann das bestätigen mit dem, was er gesehen hat. Sie war ein außerordentlich schönes Mädchen.

„Wir wurden immer beobachtet bei unseren Treffen.“

Toni wundert sich nicht. Er wird auch immer beobachtet bei Spaziergängen. Er hat sogar das Gefühl, beim Pinkeln beobachtet zu werden.

„Iva ist mit Markus von der Schleuse draußen gewesen. Auch mit den Söhnen der anderen Hotelfamilien.“

Toni hat nie nach den Kindern der Hoteliers gefragt. Er schlägt sich an den Kopf. Wieso hat er das nicht zur Sprache gebracht?

„Hast du irgendwelchen Streit bemerkt?“

„Nie. Bei Markus war sie ziemlich oft und lange am Tisch. Sie ging trotzdem, zwischendurch, mit anderen Männern raus an die Luft. Meist nach dem Tanz.“

Toni nimmt sich vor, Markus noch einmal intensiver zu befragen. Markus muss das gewusst haben. Er glaubt nicht, Markus hätte sie heiraten wollen. Nicht mit den Kenntnissen. Bei jüngeren Leuten, setzt er noch eine gewisse Eifersucht voraus.

„Ich vermute als Täter keinen der jungen Leute oder der Tanzpartner. Wir haben alle gewusst, wie Iva und Ema sind. Wir kennen auch die anderen Frauen. Auch Sibyla.“

„Kennst du auch Danka und Lenka?“

„Natürlich.“

„Ähnlich intensiv wie Iva?“

„Aber sicher.“

„Bei dir macht das ja Nichts. Du hast keine Frau mehr.“

„Mein Frau hat mich verlassen. Mit meinem Haus.“

„Sie hat doch sicher auch Etwas bezahlt?“

„Mit was?“

„Naja. Sie hat dir das Haus geputzt und die Wäsche gewaschen.“

„Das macht meine Mutter. Bei der wohne ich jetzt wieder.“

„Wo arbeitet deine ehemalige Frau?“

„Sie arbeitet nicht. Sie hat einen neuen Mann. Der fährt Getränke aus.“

Toni will das nicht weiter erkunden. Das ist ein anderes Thema. Wahrscheinlich will sich Herbert nur mal die Seele frei reden.

Monika hört recht aufmerksam zu bei dem Gespräch.

„Wann bist du denn nach Hause gegangen?“

„Ich gehe immer recht zeitig. Weil ich morgens fahren muss. So, gegen halb Elf.“

„War da Iva gerade beim Tanzen oder im Betrieb?“

„Sie hat mich verabschiedet.“

„Die anderen Frauen auch?“

„Ja. Alle. Sie lieben mich irgendwie.“

„Wie viele Frauen waren denn da?“

„So, an die zehn Kolleginnen von Iva.“

„Hast du sonst noch Gastronomen gesehen?“

„Zwei Hoteliers waren da. Patrick und Rainer. Christoph von der Schleuse auch.“

Toni geht ein Licht auf. Er muss die morgen befragen.

„Mit wem ist denn Rainer verheiratet?“, fragt Toni.

Toni ist nicht auf dem Laufenden bei den Beziehungen.

„Mit der schönen Zuzia. Das ist doch seine ehemalige tutto fare“, antwortet Herbert.

„Das klingt polnisch“, sagt Monika.

„Ja. Die hat er gleich im ersten Jahr geheiratet. Seine erste Frau ist ja mit einem Schweizer Gast durch gebrannt.“

Herbert scheint eine feine Nachrichtenzentrale zu sein. Fast wie die Mutter Monikas. Toni wird sich Herbert öfter zum Grillen einladen müssen.

„Hast du wieder eine Frau gefunden?“

„Schön wär’s. Ich suche noch.“

„Doch nicht etwa bei den Zimmermädchen?“

„Naja. Die Ema oder eine ihrer Kolleginnen wäre mir schon recht.“

„Du bist also nicht eifersüchtig?“

„Die Muschi ist doch kein Stück Seife. Die nutzt sich nicht ab.“

Die Drei lachen. Monika kann kaum Luft holen. Sie hat sich gleich verschluckt. Herbert tut ihr irgendwie leid.

Allein mit Mama. Herberts Mama ist auch allein. Der Papa ist mit einer Italienerin durch gebrannt.

„Kümmert sich denn die Mama gut um dich?“, fragt sie. Herbert schaut etwas verlegen nach Unten. Monika fragt nicht weiter. Sie hat die Geste verstanden. Sie schätzt, das ist auch der Grund, warum Herbert keine neue Frau hat.

Der Abend geht noch ziemlich lange. Herbert ist eine wahre Schatzgrube, was Nachrichten angeht. Er kommt sehr viel herum und kennt fast alle Leute. Wie ein Briefträger.

Nachdem Herbert gegangen ist, fragt Toni seine Monika, ob sie den Kolibri kennt.

„Nein. Ich habe noch keinen gesehen bei uns hier.“

„Kohlemann, Lichtmann und Briefträger. Die hast du sicher schon gesehen.“

„Ja doch. Die sind fast so fruchtbar wie unsere Pfarrer.“

„Ist das Wasser warm?“

„Noch nicht. Aber wir können noch ein paar Filmchen anschauen bis es warm ist. Vielleicht lernst du noch Etwas dazu?“

„Du hast wohl schon gelernt?“

„Nein. Aber begriffen.“

Toni rennt schnell das Wasser anstecken.

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